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24.10.2017, 16:20 Uhr KOMMENTAR

Chinas ungeniert formulierter Machtanspruch

Ein Kommentar von Thomas Ludwig


Applaudieren sich selbst: Chinas Staatschef Xi Jinping (untere Reihe, 3. v.l.) und seine Getreuen beim Ausklang des 19. Parteitags der KP. Foto: imago/Kyodo NewsApplaudieren sich selbst: Chinas Staatschef Xi Jinping (untere Reihe, 3. v.l.) und seine Getreuen beim Ausklang des 19. Parteitags der KP. Foto: imago/Kyodo News

Osnabrück. Der Parteitag der chinesischen Kommunisten geht zu Ende. Knallhart organisieren die Kader den Durchmarsch Chinas Richtung Weltspitze. Der Westen muss wachsam sein, sollte aber keine Paranoia entwickeln.

Ein irrlichternder US-Präsident, eine wankelmütige EU und mit Xi ein machtbewusster Technokrat an der Spitze Chinas – das sind die Faktoren, die die Volksrepublik in Richtung einer selbstbewussten Zukunft katapultieren.

Mit der offiziellen Einstufung von Xi Jinping als ideologischem Vordenker formuliert Peking seinen weltweiten Machtanspruch ganz ungeniert. Bis 2050 will man überall spitze sein: wirtschaftlich, militärisch, kulturell. Auch politisch baut China seine Einflusssphäre stetig aus, setzt auf Infrastruktur in Afrika, Technologietransfer und Firmenzukäufe in Europa. Der größte Gläubiger der USA ist China sowieso. Dem Westen ist ein geopolitischer Konkurrent erwachsen, wie es vor Jahrzehnten kaum jemand für möglich gehalten hätte. Aggressiv, rücksichtslos und immer mit einem unschuldigen Lächeln organisieren die chinesischen Kader den Durchmarsch an die Weltspitze.

Widerstand zwecklos

Die Ideologie des Sozialismus chinesischer Lesart kaschiert eine Wirtschaft, die knallhart kapitalistischen Regeln folgt und diese gleichzeitig staatlich gelenkt unterläuft. Das Land unterliegt der totalen Kontrolle. Widerspruch zwecklos.

Da haben autoritäre Systeme einen Vorsprung - freilich auf Kosten persönlicher Freiheiten und der Rechte des Einzelnen. Der Westen sollte all dem wachsam begegnen, aber keine Paranoia entwickeln. Angst lähmt. Nehmen wir es sportlich.

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