Bilanz der Pflegereform Mehr Leistungen, aber zu wenig Pfleger


Osnabrück. Was hat die Pflegereform 2017 gebracht? Mehr Pflegeleistungen. Nach wie vor gibt es aber zu wenige Pflegerinnen und Pfleger, wie der Sozialverband VdK beklagt.

Nachdem deutlich mehr Menschen Pflegeleistungen erhalten, muss es nach Vorstellung des Sozialverbandes VdK endlich auch deutlich mehr Pflegekräfte geben. VdK-Präsidentin Ulrike Mascher sagte unserer Redaktion: „Wir sind sehr froh über die ersten Ergebnisse der Pflegereform. Das Grundproblem ist aber ungelöst.“ Zu wenige Personen müssten sich um zu viele Pflegebedürftige kümmern, betonte Mascher mit Blick auf die stationäre Pflege. Es gebe zudem zahlreiche Regionen in Deutschland, „wo ambulante Pflegedienste keine neuen Kunden mehr aufnehmen können, weil ihnen das Personal fehlt“.

Mascher betonte, der Gesamtbedarf an beruflich Pflegenden werde in den nächsten Jahren massiv ansteigen. „Unterschiedliche Berechnungen gehen von 300000 bis 500000 zusätzlichen Pflegekräften bis 2050 aus. Von daher sollten wir alle Möglichketen in Betracht ziehen.“ Die Anwerbung ausländischer Pflegekräfte könne aber nur ein Baustein sein, „nicht die Lösung aller Probleme“. Wichtig seien außerdem verbindliche Personaluntergrenzen in Pflegeheimen, „damit die Arbeitsverdichtung, Überforderung und die steigende Arbeitsbelastung vieler Pflegekräfte ein Ende haben“. Der VdK fordere außerdem einen steuerfinanzierten Bundeszuschuss, eine automatische Leistungsdynamisierung und die kommunale Übernahme von Investitionskosten.

Zuvor war bekannt geworden, dass die Zahl der Menschen, die Leistungen aus der Pflegeversicherung bekommen, von Januar bis September im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 220000 gestiegen ist. Das geht aus einer neuen Erhebung der Krankenkassen hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Sie stammt vom Medizinischen Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) in Essen. Die meisten dieser Pflegebedürftigen wäre ohne die Pflegereform, die Anfang 2017 startete, leer ausgegangen. Seither werden auch Beeinträchtigungen von Wahrnehmung und Erinnerung etwa bei Demenz und Probleme in der Alltagsbewältigung besser berücksichtigt.

Die bayerische Gesundheits- und Pflegeministerin Melanie Huml (CSU) sieht in denn Zahlen einen Beleg, „dass die Pflegereformen der vergangenen Jahre greifen. Es wird das Ziel erreicht, dass mehr Menschen früher Leistungen der Pflegeversicherung erhalten – insbesondere Menschen mit Demenz“. Gleichwohl forderte Huml weitere Pflegereformen auf Bundesebene. „Zudem bedarf es einer angemessenen Entlohnung der Pflegekräfte in der Altenpflege, zum Beispiel durch eine stärkere Tarifbindung.

Insgesamt haben die Gutachter in den ersten drei Quartalen dieses Jahres laut MDS über 1,11 Millionen Versicherte nach dem neuen Verfahren begutachtet. Bei rund 197 000 Versicherten empfahlen die Gutachter den neuen Pflegegrad 1, bei rund 324 000 Pflegegrad 2. Bei Pflegegrad 1 können Versicherte 125 Euro pro Monat als Beitrag für ein Heim bekommen. Wie bei allen anderen Pflegegraden können sie auch 125 Euro als Entlastung für zu Hause bekommen, etwa für Betreuung oder Unterstützung im Haushalt. Bei Grad 2 fließen bis zu 770 Euro fürs Heim.

241 000 Versicherte bekamen Pflegegrad 3 mit Leistungen bis zu 1262 Euro fürs Heim, 139 000 Grad 4 mit bis zu 1775 Euro und rund 62 000 Grad 5 mit bis zu 2005 Euro. Bei 151 000 Versicherten erkannten die Gutachter laut MDS keine Pflegebedürftigkeit.

586 000 der Versicherten haben erstmals Leistungen erhalten. Die Gesamtzahl von 1,1 Millionen umfasst auch Versicherte, die etwa einen Antrag auf Höherstufung gestellt haben. (mit dpa)


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