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17.10.2017, 17:20 Uhr zuletzt aktualisiert vor VORSCHLAG EU-KOMMISSION

Warum Poller alleine zur Terrorabwehr nicht helfen

Kommentar von Marion Trimborn

Die EU-Kommission schlägt vor, dass Städte mit Beton-Barrieren Großveranstaltungen gegen Terroranschläge schützen. Foto: David EbenerDie EU-Kommission schlägt vor, dass Städte mit Beton-Barrieren Großveranstaltungen gegen Terroranschläge schützen. Foto: David Ebener

Osnabrück. Europas Städte sollen sich besser gegen Terroranschläge schützen - das fordert die EU-Kommission. Und setzt auf Poller, Barrieren und den Austausch von guten Ideen. Doch Barrieren werden Islamisten von ihren Vorhaben kaum abbringen. Dafür braucht man etwas anderes. Ein Kommentar.

Wenn es nur so einfach wäre. Man stelle Poller vor Weihnachtsmärkte und errichte Betonbarrieren vor Einkaufszentren - schon gibt es keine Terroranschläge mehr. Diese Rechnung der EU-Kommission geht nicht auf. Mal wieder betreibt Brüssel Symbolpolitik, um die Bürger zu beruhigen.

Natürlich können Barrieren im Einzelfall zum Schutz beitragen, aber systemisch gesehen ist ihre Wirkung begrenzt. Denn Terroristen sind lernfähig. Man muss akzeptieren, dass Dschihadisten zwangsläufig den Sicherheitsbehörden taktisch immer einen Schritt voraus sind. Ist die Zufahrt mit einem Lastwagen unmöglich, weicht der Angreifer auf Sprengstoff aus. Oder greift zusammen mit mehreren Attentätern mit Kalaschnikows an, wie es in Paris 2015 und in Brüssel der Fall war. Terroristen haben einen Zeitvorteil und den Überraschungseffekt auf ihrer Seite.

Dabei funktioniert die Terrorabwehr in Deutschland insgesamt gut. Allein 2016 haben die Behörden eine zweistellige Zahl von Anschlägen verhindert. Basis dafür waren Erkenntnisse der Geheimdienste und Tipps von Fahndern, auch aus dem Ausland. Viel wichtiger sind daher ausreichend Polizisten, eine effektive Zusammenarbeit der Sicherheitsbehörden und auch die mühsame Extremismusprävention.


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