Nach Landtagswahl in Niedersachsen AfD-Landeschef Hampel sieht keinen Anlass für Rücktritt

Zufriedenes AfD-Führungstrio: Der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen, die niedersächsische Spitzenkandidatin Dana Guth und der Fraktionsvorsitzende im Bundestag Alexander Gauland in Berlin. Foto: dpaZufriedenes AfD-Führungstrio: Der Bundesvorsitzende Jörg Meuthen, die niedersächsische Spitzenkandidatin Dana Guth und der Fraktionsvorsitzende im Bundestag Alexander Gauland in Berlin. Foto: dpa

Osnabrück. Nach getrennten Wahlpartys tritt die AfD-Führung auch am Montag getrennt auf. Landeschef Armin-Paul Hampel will nicht zurücktreten. Der AfD-Bundesvorsitzende wünscht sich mehr Harmonie.

Außer Atem und etwas gehetzt begrüßt Dana Guth ihren Parteifreund Jörg Meuthen. Die AfD-Spitzenkandidatin aus Niedersachsen und der Bundesvorsitzende treffen am Montagmorgen in der Bundespressekonferenz aufeinander. „Tut mir Leid“, entschuldigt Guth ihre Verspätung. Der Verkehr sei mörderisch gewesen. Meuthen umarmt sie, begrüßt sie freundlich. „Alles gut“, sagt er freundlich.

Anderthalb Stunden bevor der niedersächsische Landeschef Armin-Paul Hampel in Hannover vor die Presse tritt, sitzt das AfD-Trio aus Guth, Meuthen und Alexander Gauland in Berlin und interpretiert das Wahlergebnis.

Ergebnis schlechter als erwartet

Schon am Wahlabend wollte Dana Guth nicht neben ihrem Landeschef Armin-Paul Hampel vor den Kameras stehen und feierte neunzig Kilometer von ihm entfernt in Salzgitter. Am Morgen danach darf sie sich in Berlin offenbar willkommen fühlen. Ursprünglich stand auch Hampel mal auf der Rednerliste. Wer die vier zusammen angekündigt habe, wisse er nicht, sagt Meuthen. „Aber das ist jetzt kein ungewöhnlicher Vorgang.“

Auf das Wahlergebnis sei sie sehr stolz, sagt Guth. Das Ergebnis sei zwar schlechter als erwartet gewesen. „Für uns ist das im Moment aber absolut kein Grund zur Traurigkeit.“

Fehlende Geschlossenheit

Meuthen sagte, in Norddeutschland schneide die AfD grundsätzlich schlechter ab als in anderen Teilen des Landes. „Der Norden ist traditionell protestantisch geprägt und hat eine stärkere Links-Grün-Prägung“, sagt der Parteichef. Im Vergleich zur Bundestagswahl verlor die Partei in Niedersachsen rund drei Prozentpunkte. Die Parteiführung verwies auf den Wahlkampf, der auf die CDU und SPD zugespitzt worden sei. „Und wenn dann ein Rest verbleibt, ist der vielleicht auf die fehlende Geschlossenheit zurückzuführen“, räumte Meuthen ein. „Da gilt es, auch nicht um den heißen Brei herumzureden. Da wird es Klärungsprozesse geben, die in eine höhere Geschlossenheit hineinführen.“ An der Harmonie im niedersächsischen Landesverband werde gearbeitet.

Verhärtete Fronten

Anderthalb Stunden später, Hannover: Der niedersächsische Landeschef Armin-Paul Hampel erklärt:„Wir haben alles getan, um unser Spitzenteam zu unterstützen.“ Tatsächlich hatte es zwischen Hampel und seiner Spitzenkandidatin zuletzt kaum noch Gespräche gegeben. Die Fronten sind verhärtet.

Post von den Kollegen

Höhepunkt der Krise war ein Rundschreiben mehrerer Mitglieder des Landesvorstandes. Noch vor Schließung der Wahllokale forderten Hampels Kollegen Neuwahlen für die Parteispitze – und damit die Entmachtung des Landesvorsitzenden. Er habe sich natürlich nicht darüber gefreut, am Wahlabend noch Post von seinen Kollegen zu bekommen, sagte Hampel. Aber: „Ich kann an sich nur Gutes über die, die da diesen Brief geschrieben haben, berichten.“ Dass die Unterzeichner andere Vorstellungen haben, hätten sie in den vergangenen Jahren nicht zum Ausdruck gebracht, behauptet Hampel. „Von daher bin ich überrascht.“

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Ob er nun zurücktreten werde? „Ich sehe keinen Anlass dazu“, erklärte Hampel. Den Angriff auf seinen Führungsstil konterte der Vorsitzende: „Dass ein Landesvorsitzender führt, das ist in jeder Partei, in jeder Firma und in jedem Verein so. Ein Vorsitzender führt.“ Es gebe aber Mitglieder innerhalb der Partei, die alles unternähmen, um einen Erfolg der AfD zu torpedieren.

Guth: Personaldebatten sind sekundär

Die niedersächsische Spitzenkandidatin Dana Guth erklärte in Berlin, sie wolle über einen außerordentlichen Landesparteitag und damit vorgezogene Vorstandswahlen zuerst mit ihrem Kreisverband sprechen. Vor allem müsse nun die Arbeit der neuen AfD-Landtagsfraktion angeschoben werden. Personaldebatten seien für sie „momentan sekundär“, sagte Guth. Für viele Parteimitglieder dürfte das momentan anders sein. (mit AFP)

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