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11.10.2017, 19:02 Uhr VORSCHLAG AUS BRÜSSEL

EU-Notkasse für Erspartes ist nicht in deutschem Interesse

Kommentar von Marion Trimborn

Die EU-Kommission will eine Notkasse schaffen, um die Ersparnisse der Bürger zu garantieren. Foto: dpaDie EU-Kommission will eine Notkasse schaffen, um die Ersparnisse der Bürger zu garantieren. Foto: dpa

Osnabrück. Die EU-Kommission will die Ersparnisse der Europäer schützen. Banken sollen dafür auf einen neuen, milliardenschweren Notfall-Fonds zugreifen können. Allerdings hat ein Land daran überhaupt kein Interesse: Deutschland. Ein Kommentar

Es klingt alles ganz harmlos. Die EU-Kommission will die Ersparnisse aller Europäer schützen - ein hehres Vorhaben. Bricht ein Geldhaus zusammen, ist garantiert, dass jeder Sparer seine Einlagen bis zu 100 000 Euro zurück erhält.

Irgendwie kommt einem das bekannt vor. Denn in Deutschland geben gut gefüllte institutseigene Notkassen schon jetzt diese Garantie. Wer braucht denn überhaupt die neue europäische Notkasse? Die Länder, wo das eigene Geld nicht reicht, also die Euro-Problemländer in Südeuropa . Man denke an Italien, das gerade zwei Regionalbanken in Veneto vor dem Zusammenbruch retten musste. Und wie so oft in der Eurokrise soll Deutschland dafür zahlen.

Um es klar zu sagen: Der Vorschlag aus Brüssel geht trotz kleiner Änderungen zu weit. Er ist nichts anderes als die Einführung einer Transferunion durch die Hintertür. Kein Wunder, dass die deutschen Sparkassen und Raiffeisenbanken Sturm gegen die Vorschläge laufen.

Wichtiger wäre, was der scheidende Finanzminister Wolfgang Schäuble seit Jahren gebetsmühlenartig fordert: Europas Banken müssen ihre Bilanzen aufräumen und Risiken abbauen. Angesichts der drückenden Kreditlasten ist damit aber nicht zu rechnen. Deshalb gehört der Entwurf wie schon die erste Version von 2015 einfach in den Papierkorb.


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