Streit um Unkrautvernichter Umweltminister Wenzel: „Teufelszeug“ Glyphosat verbannen

Von Marion Trimborn

Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) fordert ein Verbot für das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Foto: Michael GründelNiedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) fordert ein Verbot für das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Foto: Michael Gründel

Osnabrück. Es gilt als krebserregend und lässt Insekten aussterben: Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat. Die EU-Staaten streiten darüber, ob die Chemikalie verboten werden soll. Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) fordert von der Bundesregierung, sich auf EU-Ebene für einen Stopp des Unkrautvernichtungsmittels einzusetzen

In den laufenden EU-Verhandlungen müsse Deutschland sich klar gegen eine Verlängerung der Zulassung für das unter Krebsverdacht stehende Pflanzengift positionieren. Wenzel sagte unserer Redaktion: „Es gibt eine reale Chance, dieses Teufelszeug endlich aus der europäischen Landwirtschaft zu verbannen.“ Der Minister fügte hinzu: „Wenn die Berliner Vertreter nicht zustimmen, ist die Zulassung voraussichtlich vom Tisch.“ Auch in anderen EU-Ländern gebe es Vorbehalte. „Deutschland wäre wahrscheinlich in guter Gesellschaft mit den Regierungen von Frankreich, Italien, Österreich und anderen“, betonte der Minister.

Verbot ab Dezember?

Die aktuelle Zulassung für Glyphosat läuft im Dezember aus. Ohne deren Verlängerung wäre die Chemikalie von da an verboten. In der vergangenen Woche hatten die 28 EU-Staaten in Brüssel mit der EU-Kommission über das weitere Vorgehen beraten, aber keine Einigung gefunden. Ende Oktober wollen Kommission und Mitgliedstaaten erneut darüber reden.

Glyphosat steht im Verdacht, krebserregend zu wirken. Das Mittel wird vor allem im Ackerbau zur Bekämpfung von Unkraut verwendet und ist in einer Reihe verschiedener Herbizide enthalten.

Neue Studien von Wissenschaftlern

Bei einer Anhörung im Europäischen Parlament präsentierten am Mittwoch namhafte Wissenschaftler Studien, die auf die Krebsgefahr des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat hinweisen. Die Wissenschaftler kritisierten, dass viele Studien über die Schädlichkeit des Mittels von der Industrie finanziert würden und daher nicht objektiv seien. Jüngst waren Glyphosat-Spuren in Speiseeis-Proben aus Deutschland und drei weiteren europäischen Ländern gefunden worden.

Wenzel wies darauf hin, dass die giftige Wirkung von Glyphosat für Wassertiere und Wasserpflanzen sowie die Schädigung der Augen unstrittig sei. In jedem Fall schädige die Chemikalie insbesondere Insekten und reduziere die Artenvielfalt. Wenzel sagte: „Wer ja sagt zum Artenschutz, muss sein klares Nein zu Glyphosat erklären. Die Verlängerung der Zulassung ist nicht zu verantworten.“