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20.09.2017, 16:58 Uhr KOMMENTAR

Thyssenkrupp wird Juniorpartner der Inder

Kommentar von Michael Clasen

Geschockte Mitarbeiter: Am Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) gab es eine Mahnwache, nachdem Thyssenkrupp und Tata Steel eine Absichtserklärung für ein Joint Venture im europäischen Stahlgeschäft unterzeichnet hatten. Foto: dpaGeschockte Mitarbeiter: Am Thyssenkrupp-Stahlwerk in Duisburg (Nordrhein-Westfalen) gab es eine Mahnwache, nachdem Thyssenkrupp und Tata Steel eine Absichtserklärung für ein Joint Venture im europäischen Stahlgeschäft unterzeichnet hatten. Foto: dpa

Osnabrück . Die Wurzeln von Thyssenkrupp reichen bis zur Industrialisierung Deutschlands. Wenn das Traditionsunternehmen nun seine Stahlsparte zur Fusion mit der europäischen Stahltochter von Tata freigibt, dann muss die Not in der Essener Zentrale groß sein.

Konzernchef Heinrich Hiesinger will den Eindruck erwecken, hier gingen zwei Riesen auf Augenhöhe zusammen, um die Nummer 2 auf dem europäischen Stahlmarkt zu werden. Doch das Risiko ist groß, dass die Stahlarbeiter von Thyssenkrupp Juniorpartner des gigantischen Mischkonzerns aus Mumbai werden. Während die Inder vor Kraft kaum laufen können, hat Thyssenkrupp seine milliardenschweren Fehlinvestitionen in den USA und Brasilien noch nicht verdaut. Die Gewerkschaften sind völlig zu Recht alarmiert. Es drohen Kündigungen und Werksschließungen.

„Deutsche Stahl AG“ eine Alternative?

Wäre eine „Deutsche Stahl AG“ eine Alternative gewesen? Kartellrechtliche Bedenken hätte das Wirtschaftsministerium notfalls ausräumen können. Die Georgsmarienhütte schien Gerüchten zufolge der Idee nicht völlig abgeneigt gewesen zu sein. Doch Salzgitter und auch Thyssenkrupp stellten sich quer. Schade. Jetzt sitzt die Zukunft in Mumbai. Tata hat durch die Fusion Know-how gewonnen –und vor allem Prestige.


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