Finanzminister wird 75 Wolfgang Schäuble: Der badische Querdenker

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Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen und dienstältester Parlamentarier im Bundestag, wird am 18. September 2017 75 Jahre alt.Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen und dienstältester Parlamentarier im Bundestag, wird am 18. September 2017 75 Jahre alt.

Berlin. Wolfgang Schäuble hat oft den Stift geführt, wenn in den letzten vier Jahrzehnten Geschichte geschrieben wurde. Der CDU-Politiker steuerte die deutsche Wiedervereinigung sowie die Überwindung der Finanzkrise und hat sich zuletzt mit einer Politik der „Schwarzen Null“ dem Schuldenabbau verschrieben. Am 18. September 2017 wird der Bundesfinanzminister 75 Jahre alt.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) reist nach Offenburg, um dem Baden-Württemberger zu gratulieren. Dabei ist das Verhältnis zwischen beiden durchaus nicht immer spannungsfrei. In der Flüchtlingspolitik war Schäuble absolut nicht einverstanden mit Merkel. „Lawinen kann man auslösen, wenn irgendein etwas unvorsichtiger Skifahrer an den Hang geht und ein bisschen Schnee bewegt“, sagte der gebürtige Schwarzwälder. Gemeint war der Zustrom von Flüchtlingen und Kontrollverlust, den die Kanzlerin 2015 mit Öffnung der Grenzen bewirkte.

Ja, Schäuble kann alles – außer Hochdeutsch. Verpackt in freundlichen Dialekt, sagt der Finanzminister harte Wahrheiten und nimmt Einfluss weit über sein Ressort hinaus. Weil er den Griechen nichts erließ, nannte ihn der Athener Ex-Finanzminister Jannis Varoufakis einen „kleinen inkompetenten Mann“. Varoufakis ist von der Bildfläche verschwunden. Schäuble ist da. Seit 1972 erringt er im Wahlkreis Offenburg stets das Direktmandat für den Bundestag, zuletzt mit 56 Prozent. Bei der Wahl am nächsten Sonntag kandidiert er nochmals – für seine dann 13. Legislaturperiode. Voraussichtlich wird er als dienstältester Parlamentarier die erste Sitzung des neuen Bundestags eröffnen. Wenn erneut eine Große Koalition kommt, dürfte Schäuble das Finanzressort weiter führen. Kommt es zu Schwarz-Gelb oder „Jamaika“, ist er als Präsident der Adenauer-Stiftung im Gespräch.

Die „fähigste und zugleich tragischste Persönlichkeit in der neueren CDU-Geschichte“ nannte der jüngst verstorbene Historiker Hans-Peter Schwarz den Minister. Schäuble ist seit einem Attentat querschnittsgelähmt. Die Schüsse eines geistig Verwirrten am 12. Oktober 1990 zwangen den agilen Juristen in den Rollstuhl. Die Größe, die Schäuble bei der Bewältigung dieses Schicksals beweist, ist vielen ein Vorbild. Als „badischer Querdenker“ wird er über Parteigrenzen hinweg respektiert.


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