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10.09.2017, 17:55 Uhr zuletzt aktualisiert vor REISEWARNUNG AUS ANKARA

Türkei: Wer uns beleidigt, entscheiden immer noch wir

Von Marion Trimborn


Die Türkei hat eine Reisewarnung gegen Deutschland ausgesprochen. Foto: dpaDie Türkei hat eine Reisewarnung gegen Deutschland ausgesprochen. Foto: dpa

Osnabrück. Die Türkei heizt die Krise mit einer Reisewarnung gegen Deutschland an. Es ist eine reine Retourkutsche. Deutschland täte gut daran, die verbalen Verirrungen der Türkei zu ignorieren. Denn es gibt Wichtigeres. Ein Kommentar.

Wie Du mir, so ich Dir. In dieser kindlichen Trotzreaktion hat die Türkei nun als Retourkutsche eine Reisewarnung für Deutschland ausgesprochen - vor allem für politische Veranstaltungen. Man hat den Eindruck, türkische Bürger sollen zu Hause bleiben, damit sie nicht mitbekommen, wie Meinungsfreiheit aussieht. Damit sie auf keinen Fall Lust auf Demokratie und ein freies Land bekommen.

Welch absurdes Theater. Und das in einem Stück, in dem der Selbstinszenierer Erdogan immer noch einen draufsetzt. Was hat er schon alles geboten: Nazi-Vergleiche, Wahlempfehlungen - und jetzt das. Es sind Zeugnisse seines Realitätsverlustes. Diese als Demütigung zu werten, wie manche Politiker es gleich lauthals verkünden, führt ins Leere.

Da hilft nur eins: einfach ignorieren. Wenn Erdogan merkt, dass er keine große Bühne mehr hat, wird er schon die Lust verlieren. Jede Reaktion würde neue Absurditäten erzeugen - etwa die Frage, wann das Einreiseverbot für Erdogan kommt. Wer uns beleidigt, entscheiden immer noch wir. Kanzlerin Merkel tut gut daran, diesem Motto zu folgen.

Sie hat nämlich eine viel wichtigere Aufgabe: im Gespräch zu bleiben und sich um die wirklich wichtigen Themen mit der Türkei zu kümmern. Wie etwa die Freilassung der zehn Deutschen, die nach wie vor wegen politischer Vorwürfe in der Türkei inhaftiert sind. Und das ist wirklich kein Kinderkram.


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