Klimawandel Nordsee erwärmt sich doppelt so schnell wie Ozeane

Von Marion Trimborn

Die Nordsee hat sich in den vergangenen 45 Jahren doppelt so schnell erwärmt wie die weltweiten Ozeane. Das gefährdet den Fischfang. Foto: dpaDie Nordsee hat sich in den vergangenen 45 Jahren doppelt so schnell erwärmt wie die weltweiten Ozeane. Das gefährdet den Fischfang. Foto: dpa

Osnabrück. Sturmfluten, Winterstürme und wärmeres Wasser: Der Klimawandel trifft die Nordsee ungewöhnlich stark. Eingesessene Fischarten wie der Kabeljau werden verdrängt.

Die Nordsee hat sich in den vergangenen 45 Jahren doppelt so schnell erwärmt wie die weltweiten Ozeane. Die Durchschnittstemperatur der deutschen Nordsee stieg demnach um 1,67 Grad Celsius – während es bei den Ozeanen im Mittel nur 0,74 Grad waren. Das schreibt das Bundesumweltministerium in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen, die unserer Redaktion vorliegt. Die Regierung bezieht sich dabei auf Daten des Weltklimarates IPCC und des Alfred-Wegener-Instituts bis zum Jahr 2010.

Der rasante Temperaturanstieg dürfte sich fortsetzen. Die Bundesregierung verweist darauf, dass die Wassertemperatur anhand verschiedener Berechnungen bis zum Jahr 2100 um 1,7 bis 3,2 Grad wärmer werden dürfte.

Artenvielfalt in Gefahr

Der Klimawandel bedrohe das Ökosystem und die Artenvielfalt. „Die Erwärmung des Meereswassers hat für eine Vielzahl mariner Organismen Folgen“, schreibt das Ministerium: „Insbesondere temperaturempfindliche Arten müssen weichen.“ So sei der Bestand des Kabeljau durch die höhere Wassertemperatur, aber auch die schlechte Ernährungssituation und Überfischung zurückgegangen. Als Kälte liebender Fisch zieht der Kabeljau weiter nordwärts. Stattdessen gebe es vermehrt Fischarten aus südlichen Gefilden wie Roter Knurrhahn, Streifenbarbe, Sardelle/Anchovis und Wolfsbarsch.

Nach Einschätzung der Bundesregierung ist zu befürchten, „dass der vom Menschen verursachte Klimawandel die Umwelt derart schnell verändert, dass (…) auch derzeit etablierte Arten sich nicht schnell genug anpassen können.“ Das werde auch Auswirkungen auf die Fischerei haben, die sich anpassen müsse.

Grüne fordern von Bundesregierung mehr Taten

Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Julia Verlinden sagte: „Der rasante Temperaturanstieg der Nordsee zeigt: Die Klimakrise ist längst auch hier bei uns in Niedersachsen angekommen.“ Für das empfindliche Ökosystem der Nordsee sei es fatal, wenn nicht endlich gegengesteuert werde. Auch der erwartete Anstieg des Meeresspiegels und die stärkere Intensität von Stürmen werde die Küstenregionen Niedersachsens hart treffen.

Verlinden, die auch Spitzenkandidatin der niedersächsischen Grünen für die Bundestagswahl ist, forderte von der Bundesregierung mehr Taten beim Umweltschutz: „Wir können uns keine vier weiteren Jahre Tatenlosigkeit beim Klimaschutz leisten. Denn die Klimakatastrophe schreitet voran, auch wenn US-Präsident Donald Trump sie leugnet oder Bundeskanzlerin Angela Merkel und SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz sie aussitzen.“

Temperaturrekorde

Die Nordsee hatte zuletzt Temperaturrekorde gemeldet. So erreichte die durchschnittliche Wassertemperatur der Nordsee im vergangenen Jahr mit 11 Grad den zweithöchsten Wert seit 1969. Lediglich 2014 sei das Wasser mit 11,4 Grad noch wärmer gewesen, hatte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) gemessen.

An diesem Montag (11. September) werden Experten aus ganz Deutschland beim Niedersächsischen Gewässerforum in Hildesheim über Hochwasser und Klimawandel diskutieren. Auch Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) wird an der Veranstaltung unter dem Titel „Extrem-Ereignisse in der Wasserwirtschaft – Gefahren und Maßnahmen“ teilnehmen. Dabei geht es Maßnahmen zum Schutz vor Extremereignissen wie Hochwasser, Starkregen und Sturzfluten. Veranstalter ist der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.