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03.09.2017, 21:57 Uhr KOMMENTAR

Das Fernsehduell war langweilig - Gott sei Dank

Ein Kommentar von Burkhard Ewert


Das Fernsehduell der Spitzenkandidaten von Union und SPD hat die Erwartungen vollständig erfüllt. Auswirkungen auf das Wahlergebnis sind keine zu erwarten. Trotzdem gab sich Angela Merkel eine bemerkenswerte Blöße. Foto: dpaDas Fernsehduell der Spitzenkandidaten von Union und SPD hat die Erwartungen vollständig erfüllt. Auswirkungen auf das Wahlergebnis sind keine zu erwarten. Trotzdem gab sich Angela Merkel eine bemerkenswerte Blöße. Foto: dpa

Osnabrück. Das Fernsehduell der Spitzenkandidaten von Union und SPD hat die Erwartungen vollständig erfüllt. Auswirkungen auf das Wahlergebnis sind keine zu erwarten. Trotzdem gab sich Angela Merkel eine bemerkenswerte Blöße.

Fortlaufend betonte die Kanzlerin, mit wem sie gerade telefoniert und wen sie kürzlich getroffen habe. Mit anderen Worten: Sie kenne jeden und regele alles. Aber mit genau dieser Haltung stößt die CDU-Vorsitzende an Grenzen. Noch sind sie nicht überschritten. Aber wird Merkel noch einmal Kanzlerin, wird sie dem Kohl-Effekt kaum mehr entkommen können. Merkel weiß so viel, erfährt so viel, hat so viel erlebt und auch geleistet, dass sie ihre Geduld und Gelassenheit zu verlieren droht. (Das TV-Duell: Der Liveblog zum Nachlesen)

Das ist durchaus anerkennend gemeint – schlägt aber an einem gewissen Punkt zum Nachteil um. Das zeigte sich gleich zu Beginn, als sowohl die Moderatoren wie auch der mäßig souveräne SPD-Kandidat Martin Schulz Merkel wegen ihrer Flüchtlingspolitik in die Mangel nahmen. Die Kanzlerin erklärte nicht gut, wirkte unwirsch und ungewohnt dünnhäutig. Rechenschaft abzulegen ist nicht ihre Stärke, was den Eindruck nährte, dass sie sich zu diesem Format am liebsten nicht herabgelassen hätte. Locker war sie erst im letzten Drittel. 

 

Jedem, der das Fernsehduell langweilig fand, dem sei allerdings gesagt: Gott sei Dank. Zwei seriöse Kandidaten standen sich gegenüber. Ein sich aufblasender Milliardär oder ein hysterischer Rechtspopulist waren nicht vor den Kameras. Sie wurden nicht vermisst.


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