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01.09.2017, 17:19 Uhr zuletzt aktualisiert vor FESTNAHMEN IN TÜRKEI

Deutsche verhaftet: Die Türkei da packen, wo es weh tut

Kommentar von Marion Trimborn

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat in Antalya zwei Deutsche verhaften lassen - aus politischen Gründen. Foto: dpaDer türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat in Antalya zwei Deutsche verhaften lassen - aus politischen Gründen. Foto: dpa

Osnabrück. Ausgerechnet in der Touristenhochburg Antalya hat die Türkei wieder zwei Deutsche verhaften lassen. Die Begründungen werden immer fadenscheiniger. Die Bundesregierung sollte die Türkei da packen, wo es weh tut: Beim Geld. Ein Kommentar

Die Dynamik überrascht. Der Weg von einer Demokratie zu einer Diktatur dauert zumeist viele Jahre. Präsident Erdogan scheint einen neuen Rekord aufstellen zu wollen. Er lässt massenweise Menschen verhaften. Ohne Anklage, ohne Verfahren. So geht es in totalitären Regimen zu. Der Nazi-Vorwurf Erdogans gegen Deutschland gilt wohl eher in umgekehrte Richtung.

Die Verhaftungswellen treffen auch Deutsche. Es ist ja so praktisch: Da hat Erdogan ein paar Geiseln, mit denen er westliche Regierungen erpressen und innenpolitisch den Nationalismus schüren kann. Bekommt der Autokrat überhaupt noch mit, dass sein Land außenpolitisch zunehmend isoliert wird? Glaubt er wirklich, er könne Kritik verstummen lassen, indem er Kritiker wegsperrt?

Soll man noch in die Türkei reisen?

Jeder Deutsche muss sich fragen, ob er es noch wagt, in die Türkei zu reisen. Eine offizielle Reisewarnung der Bundesregierung ist überfällig. Beschwichtigung hilft sicher nicht. Allerdings auch nicht, das Land politisch total zu isolieren analog Nordkorea, wo ein wildgewordener Herrscher mit Atomwaffen die Welt in Atem hält.

Ein anderer Weg scheint vielversprechender: Berlin muss Waffenlieferungen und Fördergelder an Ankara stoppen. Und die Ausweitung der Zollunion zwischen der EU und der Türkei blockieren, wie Kanzlerin Merkel angekündigt hat. Denn Erdogan versteht in seinem Irrsinn wohl nur noch eines: Die Sprache des Geldes.


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