Arbeitsmarkt Niedersachsen Fast jeder fünfte Arbeitnehmer in Niedersachsen ist ein Minijobber

Von Marion Trimborn

In Niedersachsen ist inzwischen fast jeder fünfte ein Minijobber. Vor allem der Einzelhandel und das Gastgewerbe setzen auf geringfügig Beschäftigte. Foto: dpaIn Niedersachsen ist inzwischen fast jeder fünfte ein Minijobber. Vor allem der Einzelhandel und das Gastgewerbe setzen auf geringfügig Beschäftigte. Foto: dpa

Osnabrück. Bis zu 450 Euro steuerfrei dazu verdienen - das machen immer mehr Menschen in Niedersachsen. Jeder fünfte Arbeitnehmer ist inzwischen ein Minijobber. Besonders viele davon sind Frauen und Ältere. Die Linke fürchtet zunehmende Altersarmut.

In Niedersachsen ist fast jeder fünfte Arbeitnehmer inzwischen in einem Minijob geringfügig beschäftigt – das sind elf Prozent mehr als vor zehn Jahren. Nach den neuesten Zahlen waren 2016 rund 765 000 Menschen Minijobber. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der Linken-Fraktion hervor, die unserer Redaktion vorliegt. Gegenüber dem Vorjahr betrug der Zuwachs 2,6 Prozent. Niedersachsen liegt mit einem Anteil von 22,6 Prozent der Arbeitnehmer nur knapp unter dem bundesweiten Anteil von 23 Prozent. Die meisten Minijobber (61 Prozent) sind Frauen.

Chancen und Risiken

Besonders junge Mütter, Studenten und Rentner nehmen gerne Minijobs an, um etwas dazu zu verdienen. Manche haben auch neben ihrem Hauptberuf noch diesen Zweitjob, der mit maximal 450 Euro bezahlt wird, um ihr Einkommen aufzubessern. Allerdings birgt die geringfügige Beschäftigung auch die Gefahr, dass die Chancen auf eine Voll- oder Teilzeitstelle sinken, weil Arbeitgeber Minijobber nicht mehr als qualifizierte Fachkräfte wahrnehmen. Insbesondere für Frauen wird der Minijob oft zur Falle.

Auffallend ist, dass immer mehr Ältere in Minijobs arbeiten. In Niedersachsen geht bei den Arbeitnehmern ab 55 Jahren laut Statistik fast jeder Dritte (31,4 Prozent) einer geringfügigen Beschäftigung nach – 50 Prozent mehr als vor zehn Jahren.

Linke warnt vor Altersarmut

Die gewerkschaftspolitische Sprecherin der Linken im Bundestag, Jutta Krellmann, sagte: „Es ist ein Skandal, wenn so viele Menschen in Niedersachsen einen Minijob benötigen, um ihr Auskommen zu sichern.“ Sie fügte hinzu: „Das Einkommen muss im Hier und Jetzt und auch im Alter zum Auskommen reichen.“ Dafür sei ein Mindestlohn von 12 Euro nötig. Krellmann sagte: „Es muss Schluss sein mit billigen und flexiblen Arbeitskräften.“ Die meisten Minijobber– fast jeder dritte – in Niedersachsen sind im Einzelhandel beschäftigt, auf Platz zwei liegt das Gastgewerbe.

Die geringfügige Beschäftigung sollte ursprünglich den Weg hin zu einer geregelten Arbeit erleichtern. Für den Arbeitnehmer bleibt fast alles vom Geld übrig, weil er weniger Sozialabgaben und Steuern zahlt. Die Gewerkschaften kritisieren aber , dass durch Minijobs immer mehr Vollzeitarbeitsplätze und Beiträge für die Sozialversicherung verloren gehen.