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20.08.2017, 18:24 Uhr TÜRKISCHER PRÄSIDENT PROVOZIERT ERNEUT

Verbalangriff auf Gabriel: Erdogans dankbare Ziele

Kommentar von Erhard Böhmer

Recep Tayyip Erdogan hat bei einer Parteiveranstaltung den deutschen Außenminister Sigmar Gabriel scharf angegriffen. Foto: afpRecep Tayyip Erdogan hat bei einer Parteiveranstaltung den deutschen Außenminister Sigmar Gabriel scharf angegriffen. Foto: afp

Osnabrück. Wieder fliegen die Fetzen zwischen der Türkei und Deutschland. Der türkische Präsident nennt CDU, SPD und Grüne „Türkeifeinde“ und ruft Deutsch-Türken auf, sie nicht zu wählen. Provokation genug - doch es kommt noch mehr.

Das politische Ping-Pong-Spiel zwischen Ankara und Berlin geht munter weiter. Die Replik des türkischen Präsidenten Erdogan auf die Kritik von Außenminister Sigmar Gabriel ist ein neuer Affront. Und es wird garantiert nicht der letzte gewesen sein. Dass der Autor Dogan Akhanli auf Betreiben Ankaras in Spanien festgenommen wurde, dürfte auch in diesem Sinne gemeint sein. Recep Tayyip Erdogan nutzt Deutschland und die Merkel-Regierung als Punching-Ball. Die Motive für die immer neuen Verbal-Attacken sind stark innenpolitisch geprägt. Seine Inszenierung als starker Mann vom Bosporus, der sich den Mächtigen entgegenstellt, braucht immer neues Futter.

Und die wahlkämpfenden deutschen Politiker sind für den Präsidenten ein dankbares Ziel. Sie können die Provokationen nicht souverän aussitzen, sondern müssen Stärke demonstrieren. Das erwarten schließlich die deutschen Wahl-Bürger.

Dass Erdogan die Tür zu Europa längst krachend zuschlagen hat, gerät dabei fast zur Nebensache. Aber sie kann und darf nicht dauerhaft geschlossen bleiben. Sigmar Gabriel hat vor vier Wochen mit großem Tamtam eine Neuausrichtung der deutschen Türkeipolitik ausgerufen. Ein klarer deutscher Kurs, geschweige denn ein abgestimmtes europäisches Vorgehen ist aber bis heute nicht erkennbar.


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