Stahlbranche Gabriel bei Georgsmarienhütte GmbH: US-Schutzzölle gehen gar nicht

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) beim Gespräch mit Vertretern der Stahlindustrie im Stahlwerk Georgsmarienhütte GmbH. Foto: David EbenerBundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) beim Gespräch mit Vertretern der Stahlindustrie im Stahlwerk Georgsmarienhütte GmbH. Foto: David Ebener

Georgsmarienhütte. Bei einem Besuch der Georgsmarienhütte hat Bundesaußenminister Sigmar Gabriel zugesagt, die deutsche Stahlbranche im Kampf gegen chinesische Überkapazitäten und drohende Strafmaßnahmen in den USA zu unterstützen.

Bei einem Besuch des Stahlwerks Georgsmarienhütte GmBH hat Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) dem Unternehmen zugesagt, die Stahlbranche im Kampf gegen chinesische Überkapazitäten und drohende Schutzzölle in den USA zu unterstützen. „Wenn US-Präsident Trump tatsächlich ernst machen und europäische Stahlprodukte mit Schutzzöllen belegen sollte, werden wir dagegen vor die Welthandelsorganisation ziehen“, sagte Gabriel nach Gesprächen mit dem Vorsitzenden der GMH-Geschäftsführung, Frank Koch, und dem Präsidenten der Wirtschaftsvereinigung Stahl, Hans-Jürgen Kerkhoff. Europa könne und müsse „hinlänglich selbstbewusst auftreten.“

Deutscher Stahl gefährlich für US-Sicherheit?

Washington hat europäischen Stahlunternehmen wiederholt damit gedroht, deren angeblich zu Dumpingpreisen auf den US-Markt gebrachten Produkte zu sanktionieren, weil sie der nationalen Sicherheit schadeten. „Warum Stahl aus Georgsmarienhütte eine Gefahr für die USA sein soll, diese Logik erschließt sich mir nicht“, betonte Gabriel. Die GMH-Gruppe liefert Stahl- und Schmiedeprodukte für die Bereiche Energie, Autobau und Flurförderfahrzeuge in einem oberen zweistelligen Millionenbetrag auf den US-Markt.

Bekenntnis zum Stahlstandort Deutschland

Die GMH-Geschäftsführung nahm das Treffen zum Anlass, ein klares Bekenntnis zum Stahlproduktionsstandort Deutschland abzugeben: „Mit ihm ist auch die Wertschöpfung in den angeschlossenen Industrien Automotive, Energie und Maschinenbau hierzulande untrennbar verbunden“, sagte Koch. Internationale Risiken seien jedoch nicht zu unterschätzen. Mit Sorge blickt die Branche auch auf den drohenden Handelsstreit zwischen den USA und China. „Eine auch nur teilweise Abschottung des US-Marktes hätte zur Folge, dass Handelsströme auch nach Europa umgeleitet würden“, warnte Koch.

Branche vor Herausforderungen

Angesichts chinesischer Billigstpreise für Stahl und der im internationalen Vergleich hohen deutschen Anforderungen an die Energiepolitik, sieht sich die Stahlbranche nach eigener Darstellung erheblichen Herausforderungen gegenüber. Zusätzliche Belastungen durch Handelsbeschränkungen oder den europäischen Emissionsrechtehandel kämen demnach zum denkbar schlechten Zeitpunkt. „Sie hätten spürbare Auswirkungen auf die mittelständische Stahlindustrie. Überkapazitäten und Erlösverfall würden eine nicht mehr zu vertretende Belastung auf das Geschäftsergebnis haben und stellen somit eine existenzielle Bedrohung dar“, warnte Koch.

Belastung Emissionsrechtehandel

Die G20-Staaten hatten bei ihrem Gipfel in Hamburg jüngst einen Bericht über die Branchenlage angemahnt. Es soll bis November vorliegen. „Es müssen endlich verbindliche Zahlen auf den Tisch, die dann auch von allen Seiten anerkannt werden“, sagte Verbandspräsident Kerkhoff unserer Redaktion. Anschließend müssten die Überkapazitäten gemäß festgelegter Quoten und Zeiträume schrittweise abgebaut werden: „Protektionistische Alleingänge gegen die Regeln der Welthandelsorganisation schaden am Ende alle und vertiefen die globale Krise beim Stahl“.

Mit Blick auf die ab 2021 drohende Verschärfung des Emissionsrechtehandels in der EU fordert die Wirtschaftsvereinigung auch von einer neuen Bundesregierung, ihren Einfluss in Brüssel für eine Entschärfung geltend zu machen. „Für CO2-bedingte Stromkostensteigerungen“, forderte Kerkhoff, „muss es auch nach 2020 eine nachhaltige und vollumfängliche Kompensation geben.“


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