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17.08.2017, 18:36 Uhr zuletzt aktualisiert vor HITLERGRUß BEI ABSCHIEDSFEIER

Bundeswehr: Der Skandal, der keiner ist

Kommentar von Marion Trimborn

Gegen die Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) gibt es Vorwürfe wegen rechtsextremer Vorfälle. Foto: dpaGegen die Bundeswehr-Eliteeinheit Kommando Spezialkräfte (KSK) gibt es Vorwürfe wegen rechtsextremer Vorfälle. Foto: dpa

Osnabrück. Schweinskopfwerfen und Hitlergruß - so lauten die Vorwürfe gegen das Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr. Ist die Truppe doch ein rechter Haufen? Sicher nicht. Ein Kommentar

Mal wieder wird ein Skandal bei der Bundeswehr beklagt. Aber langsam. Die um sich greifende Hysterie darf den Blick nicht darauf verstellen, dass die Bundeswehr in keiner Weise eine verkappte Wehrmacht mit völkischem Gedankengut ist. Natürlich gibt es einzelne wirre und rechtsextreme Soldaten wie Franco A., der unter Terrorverdacht steht. Aber das sind Einzelfälle - und die gibt es in der Gesellschaft auch. Daraus abzuleiten, dass die gesamte Bundeswehr ein Trupp von Nazis ist, ist vollkommen verfehlt.

Gerade in dem neuen Fall l ohnt es sich, genauer hinzusehen. Da geht es um die geheim operierende Elitretruppe KSK. Um Soldaten also, die unter Extremstbedingungen arbeiten, oft wochenlang im Einsatz sind, ohne dass ihre Familie weiß, wo sie sich genau aufhalten. Auch von den SEKs der Polizei ist bekannt, dass solche Kampftruppen eine Tendenz zu eigentümlichen Ritualen haben. Um es klar zu sagen: Schweinskopf-Werfen und Sex als Hauptpreis auszuloben, ist geschmacklos - aber kein politisches Statement. Der Hitlergruß dagegen schon. Aber statt vorschnell die Truppe zu verurteilen, sollte man erst mal die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abwarten, die bei ähnlichen Fällen eingestellt wurden. Sicher ist: Die Bundeswehr braucht besser geschulte Offiziere, die sich auf Menschenführung konzentrieren können. Interessanterweise scheint der Skandal Verteidigungsministerin von der Leyen, die bei der Truppe aufräumen will, zu stärken. Ob es wirklich Zufall ist, dass dieser „Skandal“ mitten im Wahlkampf an die Öffentlichkeit kommt?


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