35,3 Millionen Stück geliefert Niedersachsen meldet noch mehr Fipronil-Eier – Meyer kontert Kritik

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Das Insektengift Fipronil beschäftigt derzeit die Eierbranche. Foto: dpaDas Insektengift Fipronil beschäftigt derzeit die Eierbranche. Foto: dpa

Hannover. Der Skandal um mit Insektengift belastete Eier weitet sich immer weiter aus: Landwirtschaftsminister Meyer geht mittlerweile von 35,3 Millionen Fipronil-Eiern aus, die allein nach Niedersachsen geliefert wurden.

Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne) hat die Zahl von nach Niedersachsen importierten möglicherweise pestizidbelasteten Eiern erneut nach oben korrigiert.

„Mit Stand vom 14.August 2017 sind nach amtlicher Erkenntnis allein 35,3 Millionen Eier nach Niedersachsen geliefert worden, die unter Verdacht stehen, mit Fipronil belastet zu sein“, sagte der Minister am Mittwoch im Landtag. Damit korrigierte Meyer die erst am Vortag gegenüber unserer Redaktion genannte Zahl von mehr als 28 Millionen Eiern um etwa 7Millionen Stück nach oben. Hintergrund sind nach Ministeriumsangaben neue Einträge bereits erfolgter Eier-Lieferungen aus den Niederlanden in das Europäische Schnellwarnsystem. Dies habe eine Nachzählung des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) ergeben. „Ich habe das Laves gebeten, mal in das Schnellwarnsystem zu schauen, in das alle Meldungen belasteter Eier für Bund und Länder lesbar gemeldet werden“, sagte Meyer. Wegen der noch laufenden Einträge geht das Land von einem weiteren Anstieg aus.

Nach Behördenangaben gelangte das in der Lebensmittelproduktion verbotene Läuse- und Flöhegift über eine illegale Beimischung in ein Parasitenmittel aus ätherischen Ölen in die Hühnerställe. Auch vier niedersächsische Betriebe sind offenbar betroffen: Meyer zufolge wurden knapp 17 Millionen möglicherweise belastete Eier aus Niedersachsen exportiert.

Meyer griff erneut Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) an: Der Bund spiele das Fipronil-Problem herunter, der Skandal sei weit größer als von Schmidtbehauptet. Bund und Land liefern sich derzeit einen Schlagabtausch über die Verantwortung für die Krise: Schmidt hatte Niedersachsen verdächtigt, Informationen über Kontaminationen wochenlang zurückgehalten zu haben. In einem uns vorliegenden Brief an Schmidt wies Meyer die „unglaublichen Unterstellungen“ am Mittwoch zurück. „Ich erwarte von Ihnen, dass Sie in der Öffentlichkeit klarstellen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der zuständigen Behörden in Niedersachsen vorbildlich gearbeitet haben“, schreibt der Landes- an den Bundesminister.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Helmut Dammann-Tamke griff Meyer am Mittwoch als „König der Inszenierung“ an: Obwohl bereits Anfang August eine Probe Fipronil-positiv gewesen sei, habe der Grünen-Politiker Meyer am 9. August im Landtag von 280 negativen Proben berichtet. Auch habe das Land dem Bund nicht alle nötigen Daten übermittelt. „Niedersachsen hat gerade einmal eine Handvoll Ergebnisse übermittelt. Meyer lässt den Bund und die anderen Bundesländer damit im Stich“, sagte Dammann-Tamke.


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