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16.08.2017, 18:07 Uhr zuletzt aktualisiert vor INTERVIEW MIT INTERNET-STARS

Merkel und die YouTuber: Bloß keine Überraschungen

Kommentar von Marion Trimborn

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, zweite von rechts) stellte sich im Interview den Fragen von YouTubern. Foto: dpaBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU, zweite von rechts) stellte sich im Interview den Fragen von YouTubern. Foto: dpa

Osnabrück. Kanzlerin Angela Merkel sucht neue Wahlkampf-Wege und stellt sich den Fragen von Video-Bloggern auf YouTube. Doch ihre Antworten sind gähnend langweilig. Mit diesem Auftritt motiviert die Kanzlerin sicher keine jungen Wähler. Aber das kann ihr angesichts der guten Umfragewerte auch egal sein. Ein Kommentar.

So kennt man sie, so inszeniert sie sich am liebsten: Kanzlerin Merkel blieb im Live-Interview mit Video-Bloggern ihrer Rolle als Mutti Merkel treu. Da zerstreut die Kanzlerin mütterlich die Angst der YouTube-Frager vor einem dritten Weltkrieg und nennt „Rechnen, Schreiben, Lesen“ als Ziele der Schulbildung - und dann fiel ihr auch noch das Programmieren ein.

Wirklich inspirierend ist das nicht. Die Zutaten waren ein altbacken wirkendes Studio und vorhersehbare Fragen zu bekannten Themen wie etwa Diesel, Nordkorea und der Ehe für alle. Heiße Themen, die im Chat gefordert wurden, wie die Legalisierung von Cannabis kamen gar nicht erst zur Sprache. Die jungen Blogger, sichtlich voller Ehrfurcht, hakten nicht allzu sehr nach. Wie schade. So blieb es eine Stunde ohne Neuigkeiten. Die Internet-Gemeinde erlebte keine Kanzlerin zum Anfassen, über sie persönlich wissen sie jetzt, dass Merkels Lieblings-Emoj ein Smiley ist. Wie aufregend.

Die Kanzlerin überstand alles wie gewohnt ohne Patzer, allerdings vergab sie vor 55 000 Zuschauern auch eine Chance. Warum sollten junge Wähler nach diesem Interview ihr Kreuzchen für die CDU machen? Das Interview gibt einen Vorgeschmack auf das, was bei einem Wahlsieg Merkels zu erwarten ist: Das alles so bleibt, wie es ist. Die Teflon-Kanzlerin bleibt vage. Und bedient vor allem ein Gefühl. Nämlich dass die Wähler sich bei ihr aufgehoben fühlen und ihr zutrauen, rundum für Sicherheit zu sorgen.


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