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14.08.2017, 17:15 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Syrien darf nicht alleingelassen werden

Kommentar von Maik Nolte

Nicht nur eine Frage des Geldes: der Wiederaufbau von zerstörten Städten wie Aleppo. Foto: dpaNicht nur eine Frage des Geldes: der Wiederaufbau von zerstörten Städten wie Aleppo. Foto: dpa

Osnabrück. Noch ist kein Frieden in Syrien in Sicht, aber das Regime von Bashar al-Assad arbeitet bereits an seiner ganz eigenen Nachkriegsordnung. Die dürften vor allem die Flüchtlinge zu spüren bekommen.

Was die Zukunft Syriens betrifft, ist nur eines klar: Das Land wird nicht wiederzuerkennen sein. Nicht nur aufgrund der immensen Zerstörungen – auch die große Assadsche „Säuberung“ hat längst begonnen. Der syrische Präsident ist militärisch auf der Siegerstraße; nun nutzt er die einmalige Gelegenheit, seine mit Müh und Not behauptete Machtstellung langfristig abzusichern. Auf Rücksichtnahme darf niemand hoffen: Einem Mann, der Fassbomben und vermutlich auch Giftgas auf Wohnviertel werfen lässt, dürften Rechtsansprüche auf Immobilien egal sein.

Der internationalen Gemeinschaft allerdings nicht. Denn die Millionen Flüchtlinge, die das Land verlassen haben, drohen bei ihrer Rückkehr vor dem Nichts zu stehen. Aus Assads Sicht haben sie sich allein durch ihre Flucht verdächtigt gemacht; die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass sie als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Zudem wird man davon ausgehen können, dass Assad seine Unterstützer mit Belohnungen bedenken wird. Die im Übrigen mit Sicherheit auch eingefordert werden. Investoren aus den Golfstaaten dürften schon bereitstehen.

So merkwürdig das klingt: Der Wiederaufbau Syriens ist nicht allein die Sache Syriens. Bislang sind nicht einmal Friedensverhandlungen ohne das Zutun ausländischer Mächte zu haben. Dann sollen die Länder, die über Jahre fleißig mitgekämpft haben, eben auch zur Kasse gebeten werden. Beim Thema Rückkehrer wiederum haben jene Länder, die Flüchtlinge aufgenommen haben, ein Interesse daran, dass diese Menschen eine Perspektive haben - also auch die EU. Und schließlich muss es darum gehen, mittelfristig die Stabilisierung Syriens unabhängig von der Person Assads zu gewährleisten. Wenn das Land aber sich selbst überlassen wird, sind diese Fragen obsolet. Denn dann wird es dort nie wirklich Frieden geben.


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