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03.08.2017, 18:15 Uhr zuletzt aktualisiert vor NEUE STUDIE

Kinderarmut: Der Skandal ist ein anderer

Kommentar von Marion Trimborn

Kinderarmut in Deutschland nimmt zu. Foto: dpaKinderarmut in Deutschland nimmt zu. Foto: dpa

Osnabrück. In Deutschland ist die Armut unter Kindern und Jugendlichen weiter gestiegen. Allerdings sind vor allem Flüchtlingskinder betroffen. Das macht dem Staat noch mehr Druck, für die schnell Integration der Zuwanderer zu sorgen. Ein Kommentar

Schlechte Nachrichten: Die Kinderarmut in Deutschland nimmt zu. Doch es lohnt ein Blick auf die Details. Die fördern nämlich gute Nachrichten zutage. Seit 2014 geht die Zahl einheimischer Kinder und Jugendlicher, deren Familien Hartz IV beziehen, bundesweit zurück. Es ist also eine Legende zu sagen, dass in Deutschland immer mehr Kinder in Armut stürzen.

Vielmehr ist es nur eine bestimmte Gruppe. Spiegelbildlich steigt diese Zahl für Kinder und Familien aus Syrien und anderen Fluchtländern. Das war zu erwarten: Wer als Flüchtling nach Deutschland kommt, erst einmal keinen Job hat und auf staatliche Hilfe angewiesen ist, gilt als arm. Das ist noch kein Skandal.

Der Skandal entsteht erst dann, wenn diese Kinder lange arm bleiben. Um das zu verhindern, muss der Staat Tempo machen. Und Flüchtlinge und ihre Kinder schnell integrieren - mit Deutschkursen, mit Jobangeboten, mit Gutscheinen für Schwimmbad oder Kino und mit Kursen in Kindergärten und Schulen.

Das Problem ist, dass es an einer guten Schul- und Bildungspolitik mangelt. Viele Flüchtlingskinder bekommen keinen Sprach-Förderunterricht, weil Lehrer fehlen. Das muss sich ändern. Denn je länger ein Kind in Armut lebt, desto wahrscheinlicher wird es auch als Jugendlicher und Erwachsener noch vom Sozialstaat abhängig sein.