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Softwareupdate bei VW, Audi, BMW und Co. Fahrverbot droht: Diese Dieselautos sind betroffen

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Osnabrück. Der Diesel-Gipfel endete mit einem vermeintlich simplen Ergebnis: 5,3 Millionen Euro-5- und Euro-6-Diesel sollen ab sofort per Softwareupdate sauberer werden. Kosten für die Halter drohen wohl nicht, Fahrverbote sind jedoch noch immer nicht ausgeschlossen. Was bedeutet der Gipfel für Dieselfahrer genau?

5,3 Millionen Euro-5- und Euro-6-Diesel-Autos sollen ab sofort mit einer neuen Software sauberer werden. Das ist der wichtigste Beschluss des Dieselgipfels. Für Halter sollen keine Kosten entstehen. Doch schließt Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) ein Fahrverbot weiterhin nicht aus. Darüber hinaus: Was wird eigentlich aus älteren Diesel-3-Fahrzeugen? Und welche Autos genau sind vom Softwareupdate eigentlich betroffen? Die wichtigsten Fragen und Antworten nach dem Dieselgipfel:

Wie finde ich eigentlich die Schadstoffklasse meines Autos heraus?

Die Abgasnorm ihres Fahrzeugscheins steht im Fahrzeugschein. Unter der Ziffer 14 (unten in der Mitte des Dokuments) steht die Schadstoffnorm des Autos (etwa „Euro 5“). In alten Fahrzeugscheinen stehen die Informationen unter „Schlüsselnummer zu 1“ (links oben auf dem Dokument). Die Schadstoffklasse ergibt sich aus den letzten Ziffern.

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Welche Marken sind betroffen?

Die meisten Dieselfahrzeuge, die eine aktualisierte Software bekommen, entfallen auf den Volkswagen-Konzern mit seinen Marken VW, Audi und Porsche. Auch Dieselautos von Daimler, BMW und Opel sollen durch ein Update weniger Schadstoffe ausstoßen. Allerdings spiegeln die Zusagen der Unternehmen größtenteils bereits angekündigte Nachrüstungen wider. So sind in der Zahl die rund 2,5 Millionen Autos enthalten, die VW wegen des Abgasskandals schon seit Anfang 2016 in Deutschland nachrüstet.Ausländische Hersteller beteiligen sich nicht an der Aktion. Auch die deutsche Ford-Tochter mit Sitz in Köln bietet keine Software-Updates an. Das Unternehmen erklärt, dass seine Dieselmotoren dies nicht benötigten, um die Grenzwerte einzuhalten.

Erklärgrafik: Das sind die chemischen Prozesse im Dieselmotor. Grafik: dpa

Wie bekomme ich das Software-Update?

Die Hersteller werden sich wie bei Rückrufaktionen typisch in einem Brief an die Halter wenden. In einer Werkstatt kann dann die aktualisierte Software aufgespielt werden, dies dauert nach Angaben von Daimler-Chef Dieter Zetsche „maximal eine Stunde“. Die Nachrüstungen sind für die Kunden kostenlos und sollen bis Ende 2018 abgeschlossen sein.

Was spricht für das Update?

Es soll die Stickoxidemissionen (NOx) senken. „Um wie viel, darüber streiten Experten.“ Die Hersteller sprechen von einer durchschnittlichen Reduktion von 25 bis 30 Prozent.

Was spricht dagegen?

„Nicht viel“, sagt Smetanin. Der ACE rät daher zum Update. Aber es gebe auch danach keine Sicherheit, dass die Autofahrer mit dem nachgerüsteten Diesel bei einem drohenden Fahrverbot in die Städte einfahren können. Denn ein Euro-5-Fahrzeug könne dadurch nicht Euro 6 erreichen. Wenn Fahrverbote für Diesel unter Abgasnorm Euro 6 kommen, werde es auch diese nachgerüsteten Diesel treffen.Hinzu kommt die Befürchtung mancher, ein Update könnte Nebenwirkungen haben. Die Hersteller versichern zwar, dass dieses Updates keinen Einfluss etwa auf Motorleistung, Verbrauch oder Lebensdauer haben würden. „Eine explizite Garantie haben sie aber noch nicht gegeben“, sagt Smetanin. Der ACE empfiehlt Verbrauchern, alle ausgeführten Arbeiten schriftlich dokumentieren zu lassen. Allerdings hätten Tests nach Umrüstungen bei VW gezeigt: Nur in Einzelfällen kann es zu Veränderungen bei Fahreigenschaften des Motors kommen. „Man kann nicht davon sprechen, dass es ein generelles Risiko gibt.“

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Werden die Autos durch die Nachrüstung wirklich sauberer?

Nach Angaben der Autobauer soll das Software-Update den Stickoxid-Ausstoß der Dieselfahrzeuge um durchschnittlich 25 bis 30 Prozent senken. Der ADAC erwartet von den Herstellern allerdings klare Zusagen, dass die zugesicherten Werte im realen Betrieb tatsächlich eingehalten werden. Alle betroffenen Autobesitzer sollten eine „rechtsverbindliche Garantie von 24 Monaten“ bekommen, fordert der Autoklub.Greenpeace moniert jedoch, dass die Updates zunächst nichts an der Luftbelastung in den Städten ändern. Selbst moderne Euro-6-Diesel überschritten die Stickoxid-Grenzwerte noch um ein Vielfaches. Auch der Umwelthilfe zufolge würden sich die Stickoxid-Werte auf der Straße nicht ändern, sie spricht daher von einem Ablenkungsmanöver.

Droht mir als Dieselfahrer bald ein Fahrverbot?

Geht es nach Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD): vermutlich ja. Denn der Minister schließt Fahrverbote trotz der Diesel-Gipfel-Beschlüsse auch weiterhin nicht aus. „Die gesetzlichen Vorgaben zur Luftreinhaltung gelten“, sagte Maas der „Bild“-Zeitung. Für die Automobilindustrie bedeute das, sie sei mehr denn je in der Pflicht, Schadstoffe zu reduzieren und die Umwelt zu entlasten. Dies müsse schnell, gesetzestreu, technisch sauber und transparent erfolgen. Wo genau die Fahrverbote drohen können, sagte er nicht.

Weiterlesen: Wären Fahrverbote rechtlich eigentlich erlaubt?

Die Stadt Stuttgart ist da schon weiter: Das örtliche Verwaltungsgericht machte kürzlich den Weg frei, ab 2018 in der baden-württembergischen Hauptstadt Fahrverbote einzuführen. Betroffen wären Dieselfahrzeuge, die nicht die Abgasnorm erfüllen. Damit wäre Stuttgart die erste deutsche Stadt mit Fahrverboten für Dieselfahrzeuge. Weitere Städte, in denen Fahrverbote drohen, sind Hamburg, Berlin, Köln und München.Weiterlesen: Wären Fahrverbote rechtlich eigentlich erlaubt?Und vielleicht bald auch schon in Osnabrück.

Was ist mit den älteren Dieselfahrzeugen ab Euro 4 und ausländischen Marken ?

Von dem beschlossenen Softwareupdate sind 5,3 Millionen Dieselfahrzeuge betroffen. Darin enthalten sind schon die 2,5 Millionen Fahrzeuge von Volkswagen, für die bereits Abgas-Nachbesserungen angeordnet wurden. Insgesamt fahren in Deutschland aber 15 Millionen Autos mit Dieselmotor. So sind 10 Millionen Fahrzeuge – Euro 4 und schlechter sowie die ausländischen Marken – vom Update nicht betroffen. Das heißt, hier bleibt zunächst alles beim Alten. Die Plaketten und Einfahrregeln für die Umweltzonen rot, gelb und grün bestehen weiterhin.

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Drohen auch Oldtimern Fahrverbote?

Fahrer von Oldtimern genießen durch das H-Kennzeichen viele Vorteile. Neben steuerlichen Vergünstigungen, preiswerten Kfz-Versicherungen und geringeren Umweltauflagen dürfen alte Fahrzeuge ohne Katalysator Umweltzonen befahren. Eine grüne Plakette ist nicht notwendig.

Droht nun ein massiver Preisverfall von Euro-4-Autos?

Der ACE befürchtet einen Preisverfall der Euro-4-Diesel. „Aber eben in den Regionen, wo Fahrverbote drohen.“ Im ländlichen Raum gebe es bislang keine Wertverluste für ältere Diesel. Der ACE rät, mit einem Verkauf noch abzuwarten. „Denn noch ist unklar, wann Fahrverbote kommen.“

Welche Umstiegs-, Abwrack- oder Umtauschprämien bieten die Hersteller?

Viele Hersteller bieten nach dem Dieselgipfel eine Prämie an. Wer sein Auto gegen einen Neuwagen vom gleichen Hersteller eintauscht, erhält von Ford (für Euro-1-, 2- oder 3-Norm bis Baujahr 2006) eine „Umstiegsprämie“ zwischen 2000 und 8000 Euro. BMW hingegen bietet beim Neuwagenkauf bis zu 2000 Euro Rabatt. Toyota bietet beim Kauf eines Toyota-Hybrids 2000 Euro Bonus plus eine Hybridprämie von 2000 Euro.

Kommentar: Dieselgipfel eine große Enttäuschung

Kostet die Umrüstung wirklich nichts?

Fakt ist: Die Industrie wird die Kosten für die Ausrüstung mit neuer Software übernehmen. Das sind etwa 150 Euro pro Auto. Beim Einbau zusätzlicher Abgasreinigungssysteme machten die Autobosse aber nicht mit. Auf den Kosten für größere AdBlue-Tanks – wohl bis zu 1500 Euro – bleiben also die Autofahrer sitzen.

Zudem werden auch die Steuerzahler zur Kasse gebeten: Zwar werden nun über einen Fonds von 500 Millionen Euro Umweltprogramme in den von Fahrverbotenen bedrohten Städten finanziert. Die Hälfte des Geldes kommt aber aus den Bundes- und Länderkassen, also vom Steuerzahler. Ebenso werden Steuergelder für die Umrüstung des öffentlichen Nahverkehrs und den Ausbau von Radwegen genutzt.

Muss ich mein Fahrzeug nachrüsten lassen?

Das hängt davon ab, ob es sich um einen freiwilligen oder einen behördlich angeordneten Rückruf handelt. In letzterem Fall kann der Verlust der Zulassung drohen, wenn das Fahrzeug nicht bis zu einer Frist auf den geforderten Stand gebracht wird. Die von der deutschen Autoindustrie zugesagten Software-Updates sind vor allem freiwillige Maßnahmen. Bei einigen VW-Dieselautos, die mit einer illegalen Software ausgestattet sind, hat das Kraftfahrtbundesamt allerdings eine verpflichtende Nachrüstung angeordnet.

Sind auch weitergehende Nachrüstungen möglich?

Die Autoindustrie lehnt technische Umrüstungen wie etwa den Einbau größerer Harnstofftanks zur Abgasreinigung ab. Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) macht dagegen deutlich, dass weitergehende Maßnahmen zur Luftreinhaltung diskutiert werden müssten. Der ADAC fordert eine verpflichtende technische Nachrüstung mit Bauteilen „wo es technisch machbar und finanziell angemessen ist“. Damit ließen sich bei modernen Dieselfahrzeugen der Euro-Klassen 5 und 6 Emissionen „nachweislich um bis zu 90 Prozent reduzieren“. (mit AFP/dpa)


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