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01.08.2017, 12:43 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Personalchaos im Weißen Haus: Heuern und feuern

Kommentar von Maik Nolte

Rekordverdächtig: Kommunikationschef Anthony Scaramucci verliert seinen Job im Weißen Haus nach nur zehn Tagen. Foto: dpaRekordverdächtig: Kommunikationschef Anthony Scaramucci verliert seinen Job im Weißen Haus nach nur zehn Tagen. Foto: dpa

Osnabrück. Der Kommunikationschef des Weißen Hauses muss nur zehn Tage nach seiner Berufung wieder gehen - ein selbst nach trumpschen Maßstäben beispielloser Vorgang. Profitieren nun die Generäle vom Personalchaos? Ein Kommentar.

Man kann sich das nicht ausdenken: Donald Trump entlässt Kommunikationschef Anthony Scaramucci, noch bevor der sein neues Amt überhaupt offiziell angetreten hat – offenbar auf Betreiben des ebenfalls neuen Stabschefs John Kelly, der vor allem deshalb Stabschef ist, weil Scaramucchi dessen Vorgänger Reince Priebus weggemobbt hatte. „Game of Thrones“ ist nichts dagegen.

Um mal etwas Positives zu Trump zu sagen: Die Entlassung Scaramuccis war richtig. Wer weiß, wie sich der Mann zu wirklich heiklen Themen, etwa den Spannungen mit Russland, geäußert hätte. Haarsträubend falsch war es von vornherein, ein solches Großmaul überhaupt mit so einem Amt zu betrauen. Dass Trump persönliche Ergebenheit wichtiger ist als Kompetenz – geschenkt. Aber Scaramucci hatte seine Loyalität zum Präsidenten erst reichlich spät entdeckt. Zuvor unterstützte er zeitweise Hillary Clinton, dann die republikanischen Trump-Kontrahenten Scott Walker und Jeb Bush - und vor zwei Jahren nannte er Trump öffentlich einen „Nichtsnutz“. Die Antwort auf die Frage, wie der Ex-Banker an den Posten kam, dürfte spannend sein.

Der neue starke Mann ist nun Kelly – einer von drei Generälen in Trumps unmittelbarem Umfeld. Er wolle Disziplin im Weißen Haus durchsetzen, tönte er bereits. Ein Soldat sorgt für Disziplin im Machtzentrum einer Demokratie? Mag ja sein, dass es Trump gefällt, wenn das Dienstpersonal demnächst salutiert. Für die ohnehin ramponierte politische Kultur in den USA ist das jedoch ein Irrweg.


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