Stimmt‘s eigentlich? Faktencheck: „Abhängigkeit von Öl wurde für Venezuela zum Fluch“

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Osnabrück. Venezuela gehört zu den Ländern mit den größten Ölvorkommen. Trotzdem steht das Land wirtschaftlich vor dem Ruin. Kritiker sagen, die Abhängigkeit von Öl wurde für Venezuela zum Fluch. Stimmt das? Wir machen den Faktencheck.

Venezuela zählt weltweit zu den Ländern mit den größten Ölvorkommen. Dennoch befindet sich der südamerikanische Staat wirtschaftlich in einer Dauerkrise. Kritiker sagen, Venezuelas Abhängigkeit von Öl habe sich zum Fluch für das Land entwickelt. Stimmt diese Behauptung?

Die Kritiker haben recht. Fakt ist, dass Venezuela wie kein zweites Land der Erde vom Öl lebt. 95 Prozent der Exporteinnahmen hängen vom „schwarzen Gold“ ab. Das Problem ist dabei hausgemacht: Als Kommunist Hugo Chávez 1998 zum Präsidenten gewählt wurde, baute er die Wirtschaft radikal um. Indem viele Unternehmen verstaatlicht wurden, wurde der Wirtschaft die Grundlage genommen, irgendetwas anderes außer Öl zu exportieren. Der Erdölpreis bestimmt seitdem die wirtschaftliche Lage Venezuelas. Lange Zeit profitierte das Land davon, dass der Ölpreis immer neue Höhen erreichte. Mit dessen Absturz 2014 endete der Boom jedoch abrupt. Für wirtschaftliche Krisen hat der Staat aber nie vorgesorgt. Einnahmen wurden schnell wieder ausgegeben – und dabei ungleich verteilt. Viel Geld versickerte in der Korruption, während Investitionen in Bildung und Infrastruktur vernachlässigt wurden.

Die fatalen Folgen der jahrelangen Misswirtschaft werden heute deutlich. Laut Schätzungen ist das Bruttoinlandsprodukt 2016 um bis zu 18 Prozent geschrumpft. Die Sozialleistungen sind kaum noch zu finanzieren, da parallel noch Milliardenkredite zu bedienen sind. Weil die Staatseinnahmen dramatisch sinken, fehlen dem Land Devisen, um Medikamente und Lebensmittel einzuführen. Venezuela erlebt mittlerweile eine Hyperinflation.

Wie ein ganzes Land vom Reichtum durch Öl profitieren kann, zeigt dagegen das Beispiel Norwegen. Damit auch künftige Generationen etwas vom Rohstoff-Vermögen haben, fließt ein Teil der Öleinnahmen in einen Staatsfonds. Zurzeit hat der Fonds, der Preisschwankungen des Öls ausgleicht und die Altersvorsorge der Norweger gewährleistet, ein Kapital von umgerechnet rund 860 Milliarden Euro.


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