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23.07.2017, 20:25 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Tweet zu Begnadigungen: Von Trumps Gnaden

Kommentar von Maik Nolte

Der Druck um Russland-Kontakte seines Teams lastet weiter auf Donald Trump. Nun bringt er Begnadigungen ins Spiel. Foto: Screenshot TwitterDer Druck um Russland-Kontakte seines Teams lastet weiter auf Donald Trump. Nun bringt er Begnadigungen ins Spiel. Foto: Screenshot Twitter

Osnabrück. Erneut sorgt ein Tweet von Donald Trump für Stirnrunzeln: Will er in der Affäre um Russland-Kontakte Vertraute einfach begnadigen? Zuzutrauen wäre ein solcher Gedanke dem US-Präsidenten. Politisch würde er das aber nicht überstehen.

Neuer Akt im absurden Theaterstück aus dem Weißen Tollhaus: Donald Trump weist via Twitter - wo auch sonst – schon mal auf sein präsidiales Begnadigungsrecht hin. Es gibt derzeit nur ein Thema, auf das diese Bemerkung gemünzt sein kann: die Russland-Kontakte seines Teams. Unter Beschuss stehen unter anderem Trumps Sohn und Schwiegersohn. Eine Botschaft an die Ermittler nach dem Motto: Lasst es bleiben, ich boxe die beiden kraft meines Amtes eh heraus - und mich selbst notfalls auch?

Eigentlich, so möchte man denken, kann nicht einmal Trump ernsthaft glauben, mit so etwas durchzukommen. Allerdings zeugt das Gebaren des 45. Präsidenten seit seinem Amtsantritt mehr von Willkürherrschaft als von demokratischer Verantwortung. Trump verteilt Befugnisse, Posten, ja, ganze Ministerien wie mittelalterliche Lehen an Familienmitglieder und Vertraute. Nun macht er die Tochter seines Rivalen, des zweimaligen republikanischen Präsidentschaftsbewerbers und Hardliners Mike Huckabee, zu seiner Sprecherin. So sucht man sich neue Vasallen, wenn alte – wie Justizminister Jeff Sessions – in Ungnade fallen.

Sollte Trump tatsächlich per Begnadigung verhindern, dass es Junior an den Kragen geht, würde er die USA endgültig wie eine bloße Bananenrepublik dastehen lassen. Seine Tage als Präsident wären dann aber wohl gezählt. Das Wetzen der Messer ist in Washington bereits unüberhörbar.


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