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17.07.2017, 18:14 Uhr zuletzt aktualisiert vor GROßBRITANNIEN WILL AUS DER EU

Brexit-Gespräche: Rückkehr der Vernunft

Kommentar von Marion Trimborn

Großbritannien und die EU verhandeln nun über die Details ihrer Trennung. Foto: AFPGroßbritannien und die EU verhandeln nun über die Details ihrer Trennung. Foto: AFP

Osnabrück. Großbritannien und die EU haben die zweite Runde ihrer Brexit-Verhandlungen begonnen. Nun geht es ans Eingemachte - um Geld, um den Status von EU-Bürgern und um Nordirland. Zum Glück sind die Voraussetzungen für eine gütliche Einigung viel besser als vor einem Jahr. Ein Kommentar.

Jetzt wird es ernst. Mehr als ein Jahr nach dem Überraschungs-Coup, dem Brexit-Votum, müssen Großbritannien und die EU die Details ihrer Trennung vereinbaren. Dass das kompliziert wird, ist allen Seiten klar. Immer noch poltert Boris Johnson, inzwischen britischer Außenminister, herum und schimpft die Geldforderungen der EU einen „Wucher“. Doch es hat sich in diesem Jahr einiges geändert - und das gibt Hoffnung auf eine Rückkehr der Vernunft und eine gütliche Einigung.

Die Briten haben gelernt, dass sie den Brexiteers und ihrer Propaganda auf den Leim gegangen sind. Immer mehr entpuppt es sich als Märchen, dass Großbritannien nach dem Brexit besser da stehen wird als heute. So sehr, dass Ex-Premier Tony Blair schon Chancen sieht, dass sein Land nicht aus der EU austritt.

Zudem haben sich die konservativen Tories verzockt. Die britische Premierministerin Theresa May ist seit ihrer Wahlschlappe nicht mehr die starke Brexit-Verhandlerin, sondern muss den Austritt von einer Minderheitsregierung absegnen lassen. Die Briten haben May ausdrücklich kein Mandat für einen Crash-Kurs mit der EU erteilt. Das May-Kabinett denkt hinter verschlossenen Türen gemeinsam mit der Labour-Opposition noch einmal in Ruhe über das Austritts-Konzept nach. Das lässt hoffen, dass der Bruch mit Brüssel nicht abrupt erfolgen wird, sondern in geordneten Bahnen.


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