„Flüchtlinge nicht wie Stückgut verschicken“ Ska Keller: Gruppenumsiedlung von Flüchtlingen sinnvoll

Von Dirk Fisser und Marion Trimborn

Ska Keller. Foto: dpaSka Keller. Foto: dpa

df/trim Osnabrück. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat die Staatengemeinschaft zu größeren Anstrengungen bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise aufgerufen. Derweil hat Grünen-Europapolitikerin Ska Keller den Vorschlag zur Umsiedlung größerer Flüchtlingsgruppen auch nach Osteuropa präzisiert.

Dazu hatte sich Keller zuvor im Interview mit unserer Redaktion geäußert und breite Reaktionen hervorgerufen. Die Grünen-Fraktionschefin im Europaparlament betonte jetzt: „Ganze Flüchtlingsdörfer gegen den Willen eines EU-Landes dort anzusiedeln, stand nie zur Debatte.“ Sehr wohl sei es aber sinnvoll, über eine Gruppenumverteilung nachzudenken. Darüber werde derzeit im EU-Parlament beraten. „Bei Mitgliedstaaten, in denen bisher nur wenige Flüchtlinge leben, ist es für Asylsuchende leichter, wenn sie nicht vereinzelt, sondern in Gruppen dorthin umverteilt werden“, so Keller.

Sie sprach von einer Solidaritätskrise innerhalb der Union, weil sich einzelne Staaten weigerten, Flüchtlinge aufzunehmen und einen entsprechenden Beschluss boykottieren. Die EU-Kommission hatte deswegen zuletzt ein EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Tschechien, Ungarn und Polen eingeleitet. Eine Gruppenumverteilung müsse trotz der Weigerung von Teilen Osteuropas besprochen werden, so Keller zuvor im Interview.

Sie stellte klar: „Flüchtlinge dürfen bei der Umverteilung nicht wie Stückgut durch Europa geschickt werden.“ Die Grünen würden deshalb seit langem fordern, dass auch die Anknüpfungspunkte von Asylsuchenden berücksichtigt werden wie etwa familiäre Verbindungen.

Das Interview können Sie auf noz.de nachlesen.


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