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Wie muss ich wählen? Was bedeuten Erst- und Zweitstimme bei der Bundestagswahl 2017?

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Bundestagswahl 2017: Was sind Erststimmen, Zweitstimmen und Überhangmandate? Symbolfoto: dpaBundestagswahl 2017: Was sind Erststimmen, Zweitstimmen und Überhangmandate? Symbolfoto: dpa

Osnabrück. Bei der Bundestagswahl 2017 hat jeder Wähler in Deutschland zwei Stimmen: eine Erststimme und eine Zweitstimme. Warum gibt es Erst- und Zweitstimmen und was hat das mit den sogenannten Überhangmandaten zu tun?

Was wird mit der Erststimme und Zweitstimme gewählt?

Mit der Erststimme wird der oder die Wahlkreisabgeordnete direkt gewählt. Sie wird auf der linken Stimmzettelhälfte abgegeben. Mit der Zweitstimme, die auf dem rechten Teil des Stimmzettels vergeben wird, wählt man die Landesliste einer Partei.

Wieso gibt es zwei Stimmen?

Eingeführt wurde dieses Prinzip bei der zweiten Bundestagswahl im Jahr 1953. Aus historischen Gründen wollte man der Parteienzersplitterung entgegenwirken und daher kein reines Verhältniswahl mehr anwenden. Das Mehrheitswahlsystem begünstigt ein Zweiparteiensystem mit regierungsfähigen Mehrheiten. Das Verhältniswahlsystem führt dazu, dass alle Parteien gemäß ihrem Anteil an den Wählerstimmen im Parlament vertreten sind, soweit sie eine Sperrklausel überwinden. Für die Wahl zum Bundestag gilt ein Wahlsystem, das als personalisierte Verhältniswahl bezeichnet wird.

Was ist eine Persönlichkeitswahl?

Bei der Mehrheitswahl (auch Persönlichkeitswahl) wird je ein Abgeordneter aus einem Wahlkreis gewählt. Gewählt ist der Kandidat, der die meisten Stimmen bekommen hat. Hierfür ist die Erststimme maßgeblich.

Weiterlesen: Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl 2017 - die passende Partei wählen

Bei der Verhältniswahl entscheiden sich die Wähler nicht für einzelne Kandidaten, sondern für die Liste einer Partei. Wer als Volksvertreter ins Parlament ziehen kann, entscheidet die Reihenfolge der Kandidaten auf der Liste, die von den Parteien selbst festgelegt wird. Jede Partei schickt so viele Abgeordnete ins Parlament, wie es ihrem Anteil an abgegebenen Stimmen im gesamten Wahlgebiet entspricht. Hierfür ist die Zweitstimme maßgeblich.

Was sind Überhangmandate?

Überhangmandate können in Wahlsystemen auftreten, die auf einer durch Direktwahl in Wahlkreisen personalisierten Verhältniswahl beruhen – wie in der Bundesrepublik Deutschland. Wenn in einem solchen Wahlsystem eine Partei in den Wahlkreisen mehr Mandate erringt (Erststimme), als ihr gemäß dem Ergebnis der Verhältniswahl (Zweitstimme) zustehen würden, erhält diese Partei so viele Überhangmandate, wie sie Direktmandate mehr hat, als ihr Sitze durch die Zweitstimme zustehen.

Quiz: Was wissen Sie über die Geschichte der Bundestagswahl in Deutschland?

Im Bundestagswahlrecht in Deutschland bedeutet das: Überhangmandate werden vergeben, wenn eine Partei mehr Direktmandate durch Erststimmen in einem Bundesland erringt, als ihr gemäß dem Zweitstimmenergebnis in diesem Bundesland zustehen würden.

Weiterlesen: Wie funktioniert die Wahl in Deutschland?

Mit Material von:

Die Wahlprogramme der Parteien zur Bundestagswahl 2017 n der Übersicht:


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