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06.06.2017, 18:11 Uhr KOMMENTAR

Asyl mit Scheinvätern erschlichen: Problem bleibt

Ein Kommentar von Stefanie Witte


Die Zahlen erschrecken: Allein in Berlin sollen mindestens 700 Scheinväter Asylbewerberinnen zu einem Aufenthaltsrecht verholfen haben. Foto: dpaDie Zahlen erschrecken: Allein in Berlin sollen mindestens 700 Scheinväter Asylbewerberinnen zu einem Aufenthaltsrecht verholfen haben. Foto: dpa

Osnabrück. Die Zahlen erschrecken: Allein in Berlin sollen mindestens 700 Scheinväter Asylbewerberinnen zu einem Aufenthaltsrecht verholfen haben. Die Dunkelziffer dürfte viel höher liegen. Und gelöst ist das Problem wahrscheinlich noch lange nicht.

Das Motiv scheint vor allem Geldgier zu sein. Zudem sind offenbar viele der vermeintlichen Väter Hartz-IV-Empfänger. Den Unterhalt zahlt also am Ende der Staat. Dass auch Rechtsanwälte und Notare Teil dieser Betrügereien sein sollen, deutet auf ein professionelles Netz hin. Die Asylbewerberinnen und ihre Kinder sind wahrscheinlich sogar noch die Schwächsten in diesem Konstrukt. Dafür spricht, dass es laut Presseberichten Indizien dafür gibt, dass einige der Frauen am Ende in der Prostitution landeten.

Das Problem ist mittlerweile erkannt. Sogar das Parlament hat sich vor kurzem damit beschäftigt und ein Gesetzespaket beschlossen, um dem Betrug Einhalt zu gebieten. Allerdings ist unwahrscheinlich, dass es künftig keine Scheinväter mehr geben wird. Sobald der Vater behördlich erfasst ist, gibt es keine Möglichkeit, diesen Status zu entziehen. Der Spielraum, die Vaterschaft vorher als Betrug zu entlarven, ist jedoch gering. Als Beweis dafür sieht das Gesetzespaket etwa vor, dass Mutter oder Vater zugeben, dass sie betrügen wollten. Oder die Behörden müssen nachweisen, dass Geld für die Anerkennung geflossen ist. Diese Beweisführungen dürften sich in der Praxis als extrem schwierig erweisen.


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