Zunehmende Fangewalt Pistorius beruft Fußballgipfel für den 10. August ein

Von Marion Trimborn

Der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) beruft am 10. August einen Fußballgipfel ein, bei dem Aktive, Fans und Funktionäre über Maßnahmen gegen Fangewalt beraten. Foto: dpaDer niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) beruft am 10. August einen Fußballgipfel ein, bei dem Aktive, Fans und Funktionäre über Maßnahmen gegen Fangewalt beraten. Foto: dpa

Osnabrück. Feuerwerkskörper auf dem Spielfeld, Prügeleien in der Fankurve - in Deutschland nimmt die Fangewalt im Fußballstadion zu. Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) will nun gegensteuern. Am 10. August berät er mit Aktiven, Fans und Funktionären über Gegenmaßnahmen reden.

Bei dem Fußballgipfel in Hannover steht das Thema Fußballkultur im Mittelpunkt. In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte Pistorius, man dürfe die Deutungshoheit über die Fankultur in deutschen Stadien nicht dem harten Kern des Fanblocks überlassen: „Wenn ich ins Stadion gehe, frage ich mich: Wem gehört eigentlich der Fußball? Dem Familienvater auf der Sitztribüne, den VIP-Gästen, den Funktionären oder der Kurve?“ Es könne nicht sein, dass die Ultras offenbar eine Deutungshoheit im Stadion hätten und immer häufiger Feuerwerkskörper zündeten. „Ich frage mich, woher der teilweise verbreitete Irrglaube stammt, dass Pyrotechnik zum Fußball dazu gehört“, sagte der Minister. Bei dem Treffen werde aber auch die zunehmende Kommerzialisierung des Fußballs ein Thema sein.

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Randale und Sturm aufs Spielfeld

Zuletzt wurden die Relegationsspiele von Ausschreitungen der Fans überschattet. In Braunschweig stürmten Fans von Eintracht Braunschweig nach dem verlorenen Spiel den Platz, in München kam es nach dem Spiel von 1860 München zu Randale, zehn Polizisten wurden verletzt. Die einst friedliche Ultra-Bewegung wird immer mehr von gewaltbereiten Gruppen unterwandert. Pistorius sagte: „Ich finde es abstoßend, wie der Fußball für solche Randale missbraucht wird.“ Polizisten und Ordner würden immer wieder verletzt: „Das ist völlig sinnlos.“

Ultima Ratio sind leere Fankurven

Pistorius drohte gewaltbereiten Fans mit dem Ausschluss vom Spiel: „Ich sage es nicht gerne, aber die Ultimative Ratio sind leere Kurven, wenn die Gewalt von Teilen der Fanblocks auch durch die Polizei und Ordner nicht mehr beherrschbar sind.“ Bei Gewalt müsse die Polizei härter durchgreifen. „Wer bei Straftaten, etwa im Zusammenhang mit Pyrotechnik im Stadion, erwischt wird, muss mit Videotechnik am besten noch vor Ort ermittelt und zur Rechenschaft gezogen werden.“ Es dürfe auch nicht sein, dass gewaltbereite Hooligans gar keinen Bezug mehr zum Verein hätten, sondern nur noch zu Spielen führen, um sich zu prügeln. Als Beispiel nannte Pistorius mehrere tausend Fans aus Dresden, die im paramilitärischen Einheitslook zu Auswärtsspielen fahren. Pistorius sagte: „Das wollen wir nicht haben, weder in unseren Städten noch in unseren Stadien.“ Der Minister fügte hinzu: „Wir werden alle gemeinsam dagegen energisch vorgehen, Politik, Verbände und Vereine.