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02.06.2017, 17:07 Uhr VERBOT VON KINDEREHEN

Wichtiger Schritt zum Schutz von Minderjährigen

Kommentar von Uwe Westdörp

Beispiele für Kinderehen: Ein indisches Mädchen (l), aufgenommen bei seiner Hochzeit im Dorf Vadia, rund 250 Kilometer von Ahmedabad (Indien) am 11 März 2012 und ein afghanisches Mädchen (12), aufgenommen bei seiner Hocheit in Herat (Afghanistan) am 25.12.2005. Fotos: dpaBeispiele für Kinderehen: Ein indisches Mädchen (l), aufgenommen bei seiner Hochzeit im Dorf Vadia, rund 250 Kilometer von Ahmedabad (Indien) am 11 März 2012 und ein afghanisches Mädchen (12), aufgenommen bei seiner Hocheit in Herat (Afghanistan) am 25.12.2005. Fotos: dpa

Osnabrück. Lange Zeit spielte das Thema Kinderehen in Deutschland kaum eine Rolle. Doch mit dem Flüchtlingsandrang nahm auch die Zahl der verheirateten Minderjährigen zu. Der Bundestag gebietet den umstrittenen Ehen nun auf klare Weise Einhalt. Ein Kommentar.

Justizminister Maas hat recht. Kinder gehören nicht vor den Traualtar, sondern in die Schule. Insofern ist es konsequent, dass der Bundestag ein scharfes Gesetz gegen Kinderehen beschlossen hat. Eine Heirat ist nun generell nicht mehr möglich, wenn ein Partner jünger als 18 Jahre ist.

Dies ist ein wichtiger Schritt zum Schutz von Minderjährigen, zumal immer wieder von Zwangsverheiratungen auf Druck der Familien zu hören ist. Erschreckend sind auch Berichte über häusliche Gewalt und sexuellen Missbrauch durch wesentlich ältere Ehemänner – mal abgesehen davon, dass Minderjährige ohnehin nicht die Tragweite einer Eheschließung ermessen können. Wenn sie denn in jungen Jahren heiraten wollen, müssen sie eben warten, bis sie nach deutschem Recht volljährig sind.

Kompliziert wird es allerdings, wenn es um die Annullierung bestehender Ehen geht. Auch hier hat sich der Gesetzgeber zu einer radikalen Lösung entschieden: 16- und 17-Jährige werden in der Regel zwangsgeschieden. Die betroffenen jungen Frauen behalten dabei ihre Rechte wie Unterhalts- und Erbanspruch. Ehen von unter 16-Jährigen sollen dagegen für nichtig erklärt werden. Das heißt: Diese Ehen haben nach deutschem Recht nie existiert, was den Verlust oben genannter Rechte bedeutet. Diese Ungleichbehandlung ist unfair und dient nicht dem Kindeswohl.


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