Ein Bild von Marion Trimborn
31.05.2017, 18:22 Uhr zuletzt aktualisiert vor REFORMPLÄNE DER EU-KOMMISSION

Euro für Alle: Eine Schnapsidee

Kommentar von Marion Trimborn

Die EU-Kommission will nach wie vor den Euro in allen EU-Staaten einführen. Foto: dpaDie EU-Kommission will nach wie vor den Euro in allen EU-Staaten einführen. Foto: dpa

Osnabrück. Die EU will in den nächsten Jahren den Euro krisenfest machen. Dazu zählen umstrittene Vorschläge wie die gemeinsame Ausgabe von Schuldtiteln. Trotz der Euro-Krise beharrt die EU-Kommission darauf, dass alle EU-Staaten in den nächsten Jahren die Gemeinschaftswährung einführen. Das ist absurd. Eine Kommentar

Man muss sich das nur mal vorstellen: Bulgarien und Rumänien würden den Euro als Währung einführen. Beide Länder gelten als Armenhäuser der EU, sind wirtschaftlich abgeschlagen und bekommen die Korruption nicht in den Griff. Glaubt die EU-Kommission ernsthaft, dass eine Ausweitung des Euro auf alle EU-Staaten den Euro stabil halten kann? Dass Investoren noch Vertrauen in die Währung haben werden?

Der Euro hat sein Krisen-Image daher, dass Staaten wie Griechenland, Spanien und jüngst auch Italien sich nicht an die Spielregeln halten. Sie haben Schulden aufgehäuft, nicht gespart, Reformen verschleppt und darauf gesetzt, dass andere - etwa Zahlmeister Deutschland - die Zeche schon zahlen.

Seit der Euro-Krise wollen viele EU-Staaten, etwa Polen, den Euro überhaupt nicht mehr. Der Vorschlag der EU-Kommission ist daher nicht visionär, sondern politisch weltfremd und ökonomisch fraglich. Gemeinsame Schuldtitel, egal wie man sie nennt, wären als Einstieg in eine Transferunion zudem inakzeptabel.

Die EU-Kommission sollte lieber mal ihre Hausaufgaben machen. Und dafür sorgen, dass die 19 Euro-Staaten wirklich sparen und weniger Schulden machen. Als Wächter war die Kommission oft zu lasch. Erst wenn das erreicht ist, kann Brüssel über neue Euro-Mitglieder nachdenken. Das wird aber Jahre oder Jahrzehnte dauern. Bis dahin sind die Kommissionsvorschläge schlicht überflüssig.