Greenpeace, Peta, Foodwatch NGOs und Populismus: Eine Welt in düsteren Farben

Von Jan-Philipp Hein

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Osnabrück. Populismus gibt es nicht nur in Regierungen und politischen Parteien. Auch Nichtregierungsorganisationen wie etwa Greenpeace, Peta, Foodwatch oder Campact bedienen sich entsprechender Techniken.

Wer den Duden fragt, was Populismus ist, bekommt gleich zwei Antworten: Erstens handele es sich um eine von „Opportunismus geprägte, volksnahe, oft demagogische Politik“, die das Ziel hat, durch die „Dramatisierung der politischen Lage die Gunst der Massen (im Hinblick auf Wahlen) zu gewinnen“. Zweitens sei Populismus eine „literarische Richtung des 20. Jahrhunderts, die bestrebt ist, das Leben des einfachen Volkes in natürlichem realistischem Stil ohne idealisierende Verzerrungen für das einfache Volk zu schildern“.

Trump ist der Goldstandard

So weit, so einfach. Ein Blick in die nähere Vergangenheit bietet genug Beispiele für höchst professionell und erfolgreich betriebenen Populismus. Seit November gibt es einen neuen Goldstandard: Die Kampagne zur Wahl Donald Trumps enthielt alle wesentlichen Elemente dieses Politikstils in perfekter Abmischung und Dosierung. Doch was Trump und politische Bewegungen wie die Alternative für Deutschland (AfD), United Kingdom Independence Party (UKIP), die Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ), der französische Front National oder Hollands Partij voor Vrijheid in Europa anstellen, ist nicht auf den klassischen Parteiensektor beschränkt.

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Vereinfachen, verdrehen, zuspitzen

Auch und gerade Nichtregierungsorganisationen sind gewieft im Umgang mit den Instrumenten des Populismus. Sie haben aus der Polittechnologie eine ihrer mächtigsten und wirksamsten Waffen gemacht. Vereinfachen, verdrehen, radikal zuspitzen und einfache Lösungen für komplexe Probleme – das alles kennt man auch bei Greenpeace, Foodwatch & Co. Wenn etwa Foodwatch-Gründer Thilo Bode, der zuvor Greenpeace-Geschäftsführer war, in einem Interview der Lebensmittelindustrie vorwirft, sie würde „das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit nicht gewährleisten“, ist das in etwa so differenziert wie die Kritik der AfD an der Asylpolitik der amtierenden Bundesregierung. Die Äußerung zielt einzig und allein auf das Ressentiment der Konsumenten ab – da kann das Bundesinstitut für Risikobewertung noch so oft sagen, dass Lebensmittel immer sicherer werden, Foodwatch-Kampagnen bleiben hängen. Und das, obwohl der größte Lebensmittelskandal der Republik, der Ehec-Ausbruch von 2011, der 53 Tote forderte, von einem Biohof ausging.

Wissensverachtung

Dasselbe Ressentiment bespielen auch die diversen Naturschutzorganisationen oder die Online-Plattform „Campact“, die sich untergehakt haben, um den Unkrautvernichter Glyphosat vom Markt zu bekommen. Sogar vor Tweets nach Machart des Populismus-Großmeisters Trump schrecken Grüne dann nicht mehr zurück. Als die Europäische Chemikalienagentur vor ein paar Wochen feststellte, dass Glyphosat nicht krebserregend sei, setzte der grüne EU-Parlamentarier Sven Giegold folgenden Tweet ab: „Jetzt muss EU-Kommission auf #Glyphosat-Bürgerproteste hören! (Anm: Genau die Proteste, die Giegold und seine außerparlamentarischen Mitstreiter der NGOs mit hemmungslosen Populismen geschürt hatten.) Trotz Einschätzung der EU-Chemieagentur: Gefahren für Umwelt & Mensch bleiben!“ Mit solcher Wissenschaftsverachtung spricht sonst nur noch der amtierende US-Präsident über den Klimawandel.

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Ähnlich wie die populistischen Parteien verwenden die populistischen NGOs einen Großteil ihrer Kommunikationsressourcen darauf, die Welt in düsteren Farben zu zeichnen. Es ist stets kurz vor High Noon, und die drohenden Gefahren können nur durch radikale Umkehr entschärft werden. Hinzu kommt die Inszenierung als Kraft der Vernunft gegen einen angeblichen Mainstream des Wahnsinns. Campact, laut Selbstdarstellung „eine Bürgerbewegung, mit der 1,8 Millionen Menschen für progressive Politik streiten“, spricht auf seiner Seite etwa von einem „irrsinnigen Gentechnik-Gesetz“, das dank eigener Initiative nun vom Tisch sei. Der Sound ist bekannt, man höre sich nur AfD-Funktionäre an, die sich mit Geld- oder Migrationspolitik beschäftigen.

„Dümmste Organisation der Welt“

Besonders ungeniert operiert Peta, was für „People for the Ethical Treatment of Animals“ steht. Die sogenannte „Tierrechtsorganisation“ wurde sogar von der dem NGO-Gewerbe nicht abgeneigten linken Tageszeitung „taz“ als „dümmste Organisation der Welt“ bezeichnet. Nach einem Bombenanschlag im Nahen Osten brachten die Tierrechtler es fertig, sich darüber zu mokieren, dass ein Esel für das Verbrechen instrumentalisiert wurde. Die industrielle Hühnerhaltung setzen die Peta-Aktivisten mit nicht weniger als dem monströsesten Verbrechen der Menschheitsgeschichte gleich: Auschwitz. Man habe nur fragen wollen, ob wir nicht alle Nazis seien, wenn es um Tiere gehe.

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Ob Tiere, die Umwelt, ausgebeutete Arbeiter in der Dritten Welt, Kinder, Verbraucher oder Flüchtlinge: So was wie ein kleinster gemeinsamer Nenner der diversen Organisationen ist ihre Attitüde als letzte Bastion der Entrechteten. Auch das kennen wir von AfD & Co, die vorgeben „das Volk“ gegen die „Eliten“ oder das „Establishment“ verteidigen zu müssen. Professionelle Kampagnen von Nichtregierungsorganisationen konstruieren neben dem allgemeinen Notstand ein Mündel, das selbst zu schwach ist, um seine Interessen zu vertreten. Das kann ein Lebensmittelkonsument sein, der unbedingt von Foodwatch vor der mafiösen Lebensmittelindustrie gerettet werden muss, oder ein ganzes Ökosystem, das ohne Nabu oder BUND keine Überlebenschance hätte. Greenpeace hält sich gar nicht mehr mit irgendwelchen Feinheiten auf und definiert seine Zuständigkeit wie eine Religionsgemeinschaft: „Du willst die Welt retten?“, fragt die Organisation auf ihrer Internetseite. Wer das bejaht, dem kann geholfen werden: „Werde ehrenamtlich aktiv!“ So erlaucht kann man sich höchstens noch bei den Zeugen Jehovas vorkommen.

Gnadenlos überschätzt

Damit wären wir beim letzten wichtigen Punkt, der allen Populisten gemein ist. Sie überschätzen sich gnadenlos. Donald Trump geht beispielsweise nicht nur davon aus, dass es ihm gelingen könnte, Frieden im Nahen Osten zu schaffen, er glaubt bekanntlich auch daran, dass keine Amtseinführung je zuvor so viele Besucher gesehen habe wie seine. Dass die Fernsehbilder das genaue Gegenteil zeigten, kümmert ihn bis heute nicht.

Wie sehr Populisten sich überschätzen, zeigen auch die jüngsten Wahlergebnisse in Deutschland. Bei den Landtagswahlen im Saarland Ende März holte die Alternative für Deutschland 6,2 Prozent. In Schleswig-Holstein waren es Anfang Mai 5,9 Prozent, und vor ein paar Tagen holten die Populisten im bevölkerungsreichsten Bundesland 7,4 Prozent. Das sind ziemlich peinliche Ergebnisse, wenn man sich vor Augen führt, dass die Partei sich gerne als Stimme einer schweigenden Mehrheit versteht.

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Was das angeht, sind die meisten NGOs erheblich realistischer – wenigstens intern. Sie wissen, dass sie Partikularinteressen vertreten, die mit populistischen Methoden zu einer Angelegenheit aufgeblasen werden, die alle angehen soll. In der Gründungsphase schrieb Thilo Bode auf, wie seine spätere Organisation „Foodwatch“ arbeiten will und sich selbst verstehen sollte. In einem Entwurfspapier mit der Überschrift „Untersuchung zur Machbarkeit einer unabhängigen Verbraucherschutzorganisation – Arbeitstitel: Foodwatch“ heißt es: „Diese Organisation erhebt [...] nicht den Anspruch, alle Verbraucher zu repräsentieren, sondern sie tritt nur für bestimmte, klar definierte Interessen der Verbraucher ein und will den Teil, eine Minderheit, organisieren, der sich damit eindeutig identifiziert.

Das reicht auch völlig aus. Denn, so Bode: „Gesellschaftliche Veränderungen gehen von Minderheiten aus, die sich gut organisieren und einen starken Willen zur Durchsetzung ihrer politischen Ziele haben. Ein gutes Beispiel sind die Umweltverbände, die mit einer relativ geringen Mitgliederzahl, jedoch gut organisiert, ein wesentliches Gewicht in der politischen Debatte gewonnen haben.“ Wie alle Populisten sind auch die meisten NGOs nackt. Man müsste nur genau hinsehen.


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