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19.05.2017, 17:39 Uhr KOMMENTAR

Schicksalswahl im Iran: Spitz auf Knopf

Ein Kommentar von Melanie Heike Schmidt


Der Herausforderer: Ebrahim Raeissi nach seiner Stimmabgabe in einem Wahllokal in Teheran. Er strebt nach dem Präsidentenamt, wie auch Amtsinhaber Hassan Ruhani. Foto: AFPDer Herausforderer: Ebrahim Raeissi nach seiner Stimmabgabe in einem Wahllokal in Teheran. Er strebt nach dem Präsidentenamt, wie auch Amtsinhaber Hassan Ruhani. Foto: AFP

Osnabrück. Rund 56 Millionen Iraner sind aufgerufen, sich einen neuen Präsidenten zu wählen. Eine heikle Wahl, denn schon jetzt ist das Land eingekesselt zwischen Konflikten.

Wohin strebt der Iran? Will sich das Land weiter öffnen oder vom Westen abschotten? Selten passte der Begriff Schicksalswahl besser als zu dieser Präsidentenwahl.

Und es steht Spitz auf Knopf: Amtsinhaber Hassad Ruhani ist ein Pragmatiker, der auf Kompromisse setzt. Er sollte den Atomstreit lösen, den sein pöbelnder Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad hatte eskalieren lassen. Ruhani hat geliefert: 2015 wurde der Deal geschlossen.

Das könnte für die Wiederwahl reichen, gäbe es nicht ein Problem: Trotz des Abkommens sind viele US-Sanktionen noch aktiv. Mit der absurden Folge, dass der Iran zwar öl- und gasreich ist, aber dennoch mit hoher Arbeitslosigkeit und Inflation kämpft. Ob Ruhani eine zweite Chance bekommt, ist unklar. Zumal sein Herausforderer einer ist vom Kaliber Ahmadinedschad: Ebrahim Raeissi, Herzenskandidat des Klerus. Was von ihm zu erwarten ist? Konfrontation.

Doch schon jetzt ist Iran eingekesselt zwischen Konflikten. Schon jetzt beteiligen sich iranische Truppen an der Seite Russlands am syrischen Bürgerkrieg. Nicht auszudenken, wenn Raeissi, um das verhasste Atomabkommen loszuwerden, lautstark gegen die USA wettert und mit dem Säbel rasselt. Denn auch die Amerikaner haben einen neuen Präsidenten. Und auch der hat das Wort Diplomatie nicht erfunden.

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