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15.05.2017, 18:07 Uhr zuletzt aktualisiert vor DEUTSCH-FRANZÖSISCHE ACHSE

Merkel und Macron: Chancen und Risiken

Kommentar von Marion Trimborn

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Antrittsbesuch bei Kanzlerin Angela Merkel. Foto: AFPFrankreichs Präsident Emmanuel Macron zum Antrittsbesuch bei Kanzlerin Angela Merkel. Foto: AFP

Osnabrück. Es ist ganz schön in die Jahre gekommen, das deutsch-französische Tandem. Wie bei einem alten Ehepaar funktionierte das Paar zuletzt einfach nur noch. Das könnte sich mit dem neuen französischen Präsidenten Macron ändern. Deutschland sollte die Chance nutzen. Ein Kommentar

Routine, Euro-Krisenmanagement und müde Erinnerung an Weltkriegs-Gedenken prägten das Bild. In punkto wirtschaftliche Stärke hinkt Frankreich weit hinterher, das schürt anti-deutsche Vorbehalte. Die Rechtsextreme Marine Le Pen steht für die Stammtisch-Meinung, dass die deutsche Sparpolitik für Frankreichs Wirtschaftsschwäche verantwortlich ist und Paris sich deutscher Dominanz unterworfen hat. Und nun will Emmanuel Macron das reformunwillige Land auf Kurs bringen. Sein Erfolg liegt in deutschem Interesse. Scheitert der französische Präsident, ist Europa in der Sackgasse, dann dürfte Le Pen in fünf Jahren triumphieren.

Das nette Händeschütteln in Berlin überdeckt aber einen handfesten Konflikt. Macron braucht deutsche Unterstützung und deutsches Geld für seine EU-Reform- und Aufholpläne. Vor der Bundestagswahl im September kann Kanzlerin Merkel ihm aber nicht zu sehr entgegenkommen. Macrons Forderung nach einem Euro-Budget steht unverhohlen für mehr Schulden - was für Berlin inakzeptabel ist. Anstatt das große Rad zu drehen, könnten deutsch-französische EU-Initiativen erst mal klein anfangen, etwa bei der Bildungspolitik, sozialen Fragen wie Lohndumping oder entsandten Billigkräfte. Das wäre ein Anstoß - dann könnte der Motor vielleicht anspringen.


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