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12.05.2017, 17:15 Uhr zuletzt aktualisiert vor JOURNALISTIN IN TÜRKEI IN HAFT

Was bringt Erdogan zur Vernunft? Es muss weh tun

Kommentar von Marion Trimborn

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lässt Journalisten inhaftieren. Foto: dpaDer türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan lässt Journalisten inhaftieren. Foto: dpa

Osnabrück. Nach dem Fall Yücel sorgt die Inhaftierung einer weiteren deutschen Journalistin für neuen Ärger zwischen Berlin und Ankara. Der erhobene Zeigefinger reicht nicht, um den türkischen Machthaber Erdogan zum Einlenken zu bringen. Berlin muss handeln. Ein Kommentar

Es ist das Wesen einer Willkürherrschaft, dass der Herrscher Angst und Schrecken verbreitet. Ein Musterbeispiel dafür ist die Türkei, wo Präsident Erdogan seine Macht festigen will, indem er kritische Journalisten unter Generalverdacht stellt. Als Terrorverdächtige gebrandmarkt, werden sie mundtot gemacht - oder schlimmer - verhaftet. Nur Einzelfälle wie die der Journalisten Deniz Yücel und nun Mesale Tolu werden bekannt. Dabei gehört die Türkei laut Reporter ohne Grenzen zu den Ländern mit den meisten inhaftierten Journalisten weltweit.

Hilflose Bundesregierung

Und was macht die Bundesregierung? Sie verlangt etwas hilflos Zugang zu der Inhaftierten. Die ist aber schon seit mehr als einer Woche im Gefängnis. Man kann sich nur wundern. Wie kann es sein, dass von deutscher Seite gebeten wird statt mit der Faust auf den Tisch zu hauen? Dass Berlin auf Geheimdiplomatie statt Taten setzt?

Man darf sich nichts vormachen: Erdogan, der deutsche Politiker mit Nazis vergleicht, lässt sich von dem erhobenen Zeigefinger Berlins kein bisschen beeindrucken.

Finanzhilfen einfrieren

Wer das schaffen will, muss dahin zielen, wo es dem Türkenherrscher weh tut: auf’s Geld. Das würde seine Macht ankratzen. Berlin sollte geplante Finanzhilfen zur Abfederung der türkischen Wirtschaftskrise einfrieren. Warum nicht auch über wirtschaftliche Sanktionen nachdenken? Und Nato-Partner hin oder her: die Bundeswehr sollte Incirlik verlassen - allein damit Erdogan nicht mehr die Truppenbesuche von Bundestagsabgeordneten verbieten kann.


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