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11.05.2017, 17:54 Uhr KLIMAWANDEL

Arktis-Konferenz: Die Ironie der großen Eisschmelze

Ein Kommentar von Manuel Glasfort


Sein Lebensraum ist durch den Klimawandel bedroht. Foto: dpaSein Lebensraum ist durch den Klimawandel bedroht. Foto: dpa

Osnabrück. Die Arktis-Anrainer haben ein großes Interesse daran, das Gebiet wirtschaftlich zu erschließen. Doch sie haben auch die Pflicht, behutsam vorzugehen.

Die Arktis schmilzt. Meteorologen melden einen Wärmerekord nach dem anderen im hohen Norden und es zeigt sich: Das ewige Eis ist eben nicht ewig. Spätestens in einigen Jahrzehnten dürfte die Arktis im Sommer weitgehend eisfrei sein.

Das weckt Begehrlichkeiten, denn unter dem Eis schlummern riesige Rohstoffvorräte: Öl, Gas und Metallerze. Auf 90 Milliarden Fass Öl taxierten amerikanische Geologen das Vorkommen im Nordpolarmeer. Es ist nicht ohne Ironie: Das Schmelzen des Eises macht ausgerechnet die Rohstoffe zugänglich, deren Verbrennung das Schmelzen überhaupt erst verursacht hat.

Es gibt aber auch gute Nachrichten für die Umwelt. Der Abbau von Öl und Gas im Nordpolarmeer ist vorerst zu risikoreich und kostspielig für die Konzerne. Shell gab deshalb 2015 seine Erkundungen vor Alaska auf. Im Jahr darauf überschrieb der Ölmulti seine Bohrlizenzen vor Kanada sogar einer Umweltschutzorganisation.

Doch eines ist klar: Die Arktis-Anrainer haben ein bleibendes Interesse, die Schätze des Nordpolarmeeres zu heben. Und die Ölpreise werden früher oder später anziehen und die Förderung rentabel machen.

Umso wichtiger ist es, jetzt schon Pflöcke einzuschlagen für größtmöglichen Umweltschutz. Im besten Fall beschließen die Staaten am Ende nicht nur strenge Auflagen, sondern ein großes Meeresschutzgebiet – so wie im vergangenen Jahr in der Antarktis.


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