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10.05.2017, 13:09 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Trump feuert FBI-Chef: Watergate lässt grüßen

Kommentar von Marion Trimborn

US-Präsident Donald Trump hat FBI-Chef James Comey gefeuert. Foto: AFPUS-Präsident Donald Trump hat FBI-Chef James Comey gefeuert. Foto: AFP

Osnabrück. Wer nicht passt, fliegt raus: US-Präsident Donald Trump hat den FBI-Chef entlassen. Ein Fehler - der ihn das Amt kosten könnte. Ein Kommentar

Nein, Donald Trump hat sich nicht an die Macht geputscht. Er ist legal in sein Amt gekommen. Diese Tatsache gerät leicht in Vergessenheit, wenn man sieht, mit welch diktatorischen Zügen der neue US-Präsident regiert. Er feuert FBI-Chef James Comey mit einem fadenscheinigen Argument. Dabei geht es doch um etwas ganz anderes: Einen unliebsamen Ermittler kalt zu stellen. Denn Comey schnüffelte hinter den Russland-Kontakten des Trump-Teams im Wahlkampf her. Was hätte er wohl ans Tageslicht gebracht?

Wer ihm nicht passt, wird rausgeworfen. Unterscheidet einen US-Präsidenten beim „Hire and Fire“ wirklich nichts von einem Unternehmenschef? Rechtlich darf Trump das - doch es ist ein Skandal.

Das trumpistische System zeigt eine erschreckende Weltsicht des Mannes, der als mächtigster Staatschef der Welt gilt. Psychologisch auffällig, könnte man sagen. Zweifel an seiner charakterlichen Eignung gibt es ja schon länger. Etwa als Trump im Wahlkampf seine Rivalin Hillary Clinton im Gefängnis sehen wollte. Oder als er sich abschätzig über Richter äußerte, die sein Einwanderungsverbot für Muslime kippten. Oder wenn er Medien pauschal der Lügen bezichtigt.

Trump lässt die Demokratie wanken. Was ihm anscheinend herzlich egal ist. Was daraus folgt? Der Präsident hat in ungeschicktester Weise den Verdacht auf sich selbst gelenkt. Jetzt ist unumgänglich, dass ein unabhängiger Ermittler die Russland-Kontakte untersucht. Trumps Tage als Präsident könnten gezählt sein. Die USA sind seit mehr als 200 Jahren eine stabile Demokratie, ein Präsident Trump ist da nicht mehr als eine Fußnote. Richard Nixon hat während der Watergate-Affäre übrigens ähnlich gehandelt – sein politisches Ende ist bekannt.


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