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09.05.2017, 18:28 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Konflikte verlagern sich in Städte: Lösungen nicht in Sicht

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Mahnmal des Krieges in Syrien: die zerstörte Stadt Aleppo. Laut einer neuen Studie verlagern sich bewaffnete Konflikte zunehmend in Städte. Foto: dpaMahnmal des Krieges in Syrien: die zerstörte Stadt Aleppo. Laut einer neuen Studie verlagern sich bewaffnete Konflikte zunehmend in Städte. Foto: dpa

Osnabrück. Immer häufiger finden bewaffnete Konflikte nicht irgendwo im Dschungel oder verlassenden Bergregionen statt, sondern mitten in den Städten. Damit steigt die Zahl getöteter Zivilisten. Eine Lösung scheint schwierig, zumal es Profiteure der Auseinandersetzungen gibt.

Wer sich die Studie der renommierten Londoner Denkfabrik IISS ansieht, benötigt ein dickes Fell, um sie nicht tragisch zu finden: Konflikte werden immer häufiger nicht mehr in ländlichen Gebieten ausgetragen, sondern mitten in den Städten. Damit steigt die Zahl der verletzten und getöteten Zivilisten. Kombiniert mit der zweiten Erkenntnis, nach der die Auseinandersetzungen immer brutaler werden, ergibt sich ein finsteres, ja hoffnungsloses Bild. Komplettiert wird es durch die Rangliste der gefährlichsten Konflikte, erneut angeführt von Syrien. Rund 50000 Todesopfer sind allein dort pro Jahr zu beklagen. Lösungen sind nicht in Sicht.

Hat die Idee des Weltfriedens also ausgedient? Sind Friedensaktivisten naive Realitätsverweigerer? Müssen wir uns mit den Toten arrangieren? Nein. Denn es gibt Gegenmittel. Zum Beispiel Diplomatie. Sie ist der einzige, wenn auch beschwerliche Weg hin zu friedlichen Lösungen. Viel bewirken könnte hier die EU. Denn unabhängig von ihren aktuellen Erosionserscheinungen hat sie gezeigt: Dauerhafter Frieden ist möglich.

Allerdings wird jede noch so intensive Bemühung um Frieden torpediert durch Waffenexporte; ein gerade auch für Deutschland unangenehmes Thema. Schließlich verdienen auch hiesige Firmen bestens an den Konflikten der Welt. Leidtragende sind die Menschen vor Ort. Daran wird sich vorerst wohl auch nichts ändern.


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