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08.05.2017, 16:52 Uhr zuletzt aktualisiert vor NEUER FRANZÖSISCHER PRÄSIDENT

Emmanuel Macron: Auch ein Superstar kann stolpern

Kommentar von Marion Trimborn

Der neue französische Präsident Emmanuel Macron gilt als Superstar - nun muss er sich beweisen.  Foto: AFPDer neue französische Präsident Emmanuel Macron gilt als Superstar - nun muss er sich beweisen. Foto: AFP

Osnabrück. Der neue französische Präsident Emmanuel Macron wird mit viel Vorschuss-Lorbeeren bedacht. Doch seine Aufgabe, das Land zu reformieren und wieder Vertrauen in die Politik zu schaffen, ist schwer.

Kein Superlativ scheint derzeit groß genug zu sein, um Emmanuel Macron zu beschreiben. Nach seinem Wahlsieg feiern ihn Europas Medien als französischen Obama, als Superstar, als jungen König. Allein schon aufgrund seiner Jugend gilt er als Hoffnungsträger. Die Lobeshymnen, die eines Messias würdig wären, speisen sich aus der Erleichterung über die Niederlage der Rechtsextremen Marine Le Pen - vorerst. Das sagt absolut gar nichts über künftigen Erfolg. Wieso sollte etwa der Rechtspopulismus in Europa jetzt besiegt sein? Wieso sollte ein junger Politiker per se die bessere Politik machen?

Macron ist vor allem eines: unerfahren. Seine Bewegung, En Marche, ist gerade mal ein Jahr alt. Junge Parteien spülen oft merkwürdiges Personal in Führungspositionen, die der Organisation dann schaden. AfD und Piraten lassen grüßen. Nur wenn sich Macron bei den Parlamentswahlen Anfang Juni eine Mehrheit verschaffen kann, ist er überhaupt regierungsfähig. Sein Programm wird Widerstand von innen und außen auslösen: Reformen für den Arbeitsmarkt dürften die Gewerkschaften auf die Straße treiben. Seine Umbau-Ideen für die EU wie etwa ein Eurozonen-Haushalt stoßen in Deutschland auf Ablehnung. Nach Ansicht vieler Franzosen hat er vor allem heiße Luft im Wahlkampf produziert. Gemessen an den gigantischen Erwartungen wird Macron ganz schnell entzaubert werden.


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