Ein Bild von Melanie Heike Schmidt
04.05.2017, 18:00 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Klausurtagung der Linkspartei: Raus aus dem Jammertal

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Berühmt für kämpferische Reden: Linkspartei-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht. Ihr Ziel: ein Politikwechsel auf Bundesebene. Das könnte nach jetzigem Stand schwierig werden. Foto: dpaBerühmt für kämpferische Reden: Linkspartei-Fraktionsvorsitzende Sahra Wagenknecht. Ihr Ziel: ein Politikwechsel auf Bundesebene. Das könnte nach jetzigem Stand schwierig werden. Foto: dpa

Osnabrück. Auf ihrer Klausurtagung in Dortmund hat die Linkspartei versucht, den Druck auf die SPD zu erhöhen. Nur mit ihr sei im Bund ein Politikwechsel möglich, hieß es. Ob das Konzept aufgeht? Zurzeit sieht es eher nach einer verhängnisvollen Affäre aus.

Kennen Sie den Film „Eine verhängnisvolle Affäre“? Darin fällt eine zurückgewiesene Frau erst in Frust und Trauer, dann in Rachsucht, es endet mit Mord und Totschlag, Auch zwischen Linkspartei und SPD bahnte sich eine Liaison an, die, würde es nach den Linken gehen, in Rot-Rot-Grün im Bund gipfeln sollte. Doch auch hier droht ein verhängnisvolles Ende. Woran die Linke nicht unschuldig ist.

Zumindest die SPD hat nach der Schlappe im Saarland verstanden: Rot-Rot-Grün ist für viele Wähler keine Option, sondern eine Drohung. Um ihre Klientel nicht weiter zu verprellen, hat die SPD das Farbenspiel gestoppt – und der Linken ein Problem beschert: Womit soll sie jetzt ihre Wähler überzeugen, wenn nicht mit der Aussicht, bald in Berlin mitzuregieren?

Wie wäre es mit Inhalten? Da aber bleibt es nebulös; viel mehr als das Versprechen, es soll gerechter zugehen, ist nicht zu hören. Dafür reichlich Gejammer. Vor allem darüber, dass SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz neuerdings lieber mit Grünen und FDP anbandelt. Das wirkt schwach. Daran kann auch die charismatische Spitzenkraft Sahra Wagenknecht wenig ändern.

Will sie eine neue GroKo verhindern, muss die Linke raus aus dem Jammertal. Wer sich nicht wie eine ernst zu nehmende Partei verhält, sondern wie eine verschmähte Liebschaft, punktet weder beim Wähler noch bei potenziellen Partnern.

Weiterlesen: NOZ-Themenseite zur Bundestagswahl 2017