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03.05.2017, 17:58 Uhr zuletzt aktualisiert vor STREIT UM DIE RECHNUNG

Brexit-Kosten: Im Zocker-Paradies

Kommentar von Marion Trimborn

Bei den Brexit-Verhandlungen geht das Zocken um’s Geld los. Foto: dpaBei den Brexit-Verhandlungen geht das Zocken um’s Geld los. Foto: dpa

Osnabrück. London droht der Finanzschock. Die EU verlangt von Großbritannien 100 Milliarden Euro, wenn sie austreten. Die Briten würden am liebsten gehen ohne zu zahlen. Das Zocken hat begonnen. Ein Kommentar.

Scheiden tut weh, weiß der Volksmund. Das bekommen die austrittswütigen Briten gerade zu spüren. Die EU präsentiert ihnen eine gesalzene Rechnung für den Brexit. Statt 60 könnten es auch 100 Milliarden werden - Milliarden, wohlgemerkt, nicht Millionen. London antwortet kess, man schulde der EU überhaupt kein Geld.

Aber mal langsam. Jeder, der schon einmal ums liebe Geld gezockt hat, weiß: Am Anfang legt jede Seite Maximalforderungen auf den Tisch, Mondrechnungen eben. Um sich für taktische Spielchen zu wappnen. Auch die EU hat kein Interesse daran, dass Großbritannien wirtschaftlich zurückgeworfen wird. Auch die Briten können nicht ohne den europäischen Markt.

Allerdings dürfte die Brexit-Rechnung zum Knackpunkt werden. Gerade einmal zwei Jahre sehen die EU-Verträge für die Gespräche vor. Das reicht nicht. Es ist unmöglich, in dieser Zeit ein Freihandelsabkommen abzuschließen, so wie sich die Briten das wünschen. Ohne Übergangsregelungen wird es nicht gehen.

Zwar drohen die Briten damit, einfach zu verschwinden, ohne zu zahlen. Ein solcher Vertragsbruch wäre aber eine Katastrophe, die beiden Seiten enormen Schaden zufügt - politisch und wirtschaftlich. Laut Umfragen wächst die Zahl der Brexit-Gegner, denen immer mulmiger wird. Was, wenn es sich immer mehr Briten anders überlegen und doch in der EU bleiben wollen?


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