Kritik am Entwurf der Kultusministerin Schüler sollen Tablets bei Prüfungen nutzen dürfen

Mit einem speziellen Tablet arbeitet ein Schüler am „Tag des digitalen Lernens“ in Magdeburg. Bei der geplanten Zulassung von Tablet-Computern in Schulprüfungen in Niedersachse nmahnt der Philologenverband vor einem zu schnellen und unüberlegtem Einsatz von Technik. Foto: dpaMit einem speziellen Tablet arbeitet ein Schüler am „Tag des digitalen Lernens“ in Magdeburg. Bei der geplanten Zulassung von Tablet-Computern in Schulprüfungen in Niedersachse nmahnt der Philologenverband vor einem zu schnellen und unüberlegtem Einsatz von Technik. Foto: dpa

Osnabrück. Niedersachsen treibt die Digitalisierung in Klassenzimmern voran. Jetzt sollen Smartphones und Tablet-Computer auch bei Prüfungen als Hilfsmittel verwendet werden dürfen. Die Opposition im Landtag hält das für „nicht realisierbar“.

Zunehmend kommen Smartphones und Tablet-Computer im Unterricht zum Einsatz. An vielen Schulen werden die Geräte schon im Alltag vielfach genutzt. Künftig sollen auch in Prüfungen die nützlichen Helfer verwendet werden dürfen und den Taschenrechner, die Formelsammlung oder das Wörterbuch ersetzen.

Dazu hat die niedersächsische Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD) am Dienstag einen Erlassentwurf angekündigt. Er definiert die Regeln, nach denen Schüler an weiterführenden Schulen mobile Endgeräte auch bei Prüfungen benutzen dürfen.

Allerdings gilt dies nur für Schüler, die auch im Unterricht mit Smartphones und Tablets arbeiten. Zudem müssen die Apparate technische Anforderungen erfüllen. Ein Prüfungsmodus soll die Bedienmöglichkeiten so einschränken, dass etwa Schummeln per Internetrecherche nicht möglich ist.

Mit dem Erlass ist Niedersachsen laut Heiligenstadt das erste Bundesland, das den Einsatz digitaler Hilfsmittel bei Prüfungen regelt. „Wir bestätigen damit erneut unsere Vorreiterrolle bei der Digitalisierung“, betonte die Ministerin. Die Regelung soll laut Kultusministerium ab dem kommenden Schuljahr greifen.

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Die Grünen im Landtag begrüßen den Erlass grundsätzlich. Heiner Scholing, schulpolitischer Sprecher und Vorsitzender des Kultusausschusses, sagte unserer Redaktion: „Die Regelung entspricht den Interessen der Schülerinnen und Schüler und gehört sowieso schon in ihren Alltag.“ Die Verwendung teurer digitaler Endgeräte dürfe aber nicht zu neuen sozialen Hürden in der Schule führen. „Sprich: Sie müssen auch bei der Lernmittelhilfe entsprechend berücksichtigt werden.“

An die technische Ausstattung knüpft die Kritik der Oppositionsfraktionen an. Björn Försterling, schulpolitischer Sprecher der FDP, sagte unserer Redaktion: „Niedersachsens Schulen sind noch meilenweit davon entfernt, großflächig Tablets einsetzen zu können, die meisten Schulen haben nicht einmal W-Lan, geschweige denn ist Geld für die Ausstattung aller Schüler mit Tablets vorhanden.“ Die Digitalisierung in den Schulen sei zwar zu begrüßen, die Vorschläge der Ministerin seien aber nicht realisierbar, „solange diese Landesregierung nicht deutlich mehr Geld in die Digitalisierung der Schulen und die entsprechende Ausbildung der Lehrer steckt.“

Lehrer ausreichend vorbereiten

Auch der schulpolitische Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, Kai Seefried, mahnte: „Mit ihrem Erlass will Kultusministerin Heiligenstadt den dritten vor dem ersten Schritt machen.“ Der Einsatz von digitalen Endgeräten im Unterricht sei eher die Ausnahme als die Regel. „Zunächst sollte dafür gesorgt werden, dass digitale Medien auf sinnvolle Weise im alltäglichen Unterricht verankert sind.“ Dazu gehöre auch, die Lehrer auf diese Entwicklung ausreichend vorzubereiten.

Aus Sicht der Bildungsgewerkschaft GEW Niedersachsen seien vor allem zwei Faktoren zu beachten. „Einerseits dürfen Schülerinnen und Schüler aus ärmeren Familien nicht abgehängt werden, wenn sie sich keine oder nicht die neuesten Geräte leisten können“, sagte die stellvertretende GEW-Landesvorsitzende Laura Pooth. „Andererseits müssen Lehrkräfte effektiv verhindern können, dass geschummelt wird.“

Letzteres sieht auch Alexander Salle, Mathematikdidaktiker an der Universität Osnabrück, als potenzielles Problem: „Eine Überwachung der Einhaltung des Prüfungsmodus – und damit die Überwachung von bis zu 30 unterschiedlichen Handy- und Tabletbildschirmen – während einer Prüfung kann man einer Lehrkraft während einer Prüfungsaufsicht kaum zumuten.“

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