Spitzentreffen Putin-Erdogan Annäherung Russland-Türkei: Brok warnt vor Hysterie

Von Marion Trimborn

Könnten sich die Türkei und Russland gegen Europa verbrüdern? Elmar Brok warnt die Europäer vor Hysterie. Foto: Egmont SeilerKönnten sich die Türkei und Russland gegen Europa verbrüdern? Elmar Brok warnt die Europäer vor Hysterie. Foto: Egmont Seiler

Osnabrück. Wenn Kremlchef Wladimir Putin mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan zusammentrifft, sind viele Europäer in Sorge. Sie fürchten, dass die beiden starken Männer sich gegen Europa verbrüdern könnten. Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok sieht das ganz anders - und warnt vor Hysterie.

In einem Gespräch mit unserer Redaktion sagte der langjährige Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament: „Die Europäer sollten nicht in Nervosität verfallen, nur weil die beiden Präsidenten sich wieder mal verbrüdern und das als öffentliches Theater inszenieren.“ Brok riet allen, die einen neuen Machtblock zwischen den starken Männern in Russland und der Türkei gegen Europa fürchten: „Wir sollten alle gelassen bleiben.“

Die Türkei sei aus ökonomischen Gründen abhängig von Europa, zwei Drittel aller Direktinvestitionen in der Türkei stammten aus der EU. Der CDU-Abgeordnete sagte: „Russland kann in wirtschaftlicher Hinsicht Europa nicht ersetzen.“ Denn Russland habe keinen ausreichend großen Markt für türkische Produkte und könne der Türkei keine große finanzielle Unterstützung geben.

EU hat Druckmittel gegen Türkei

Europa habe gegenüber der Türkei ein wichtiges Druckmittel in der Hand, nämlich die Zollunion, die Erdogan erweitern wolle. Brok betonte: „Die ökonomischen Fakten sprechen für Europa, für enge europäisch-türkische Wirtschaftsbeziehungen.“ Sollte die Türkei Europa mit der Annäherung an Russland erpressen wolle, werde dies wirkungslos sein. „Das bringt gar nichts außer Propaganda.“

Die Drohung Erdogans die Türkei werde sich von der EU abkehren, sollte die EU nicht beim Beitrittsprozess voran machen, sieht Brok gelassen. Er betonte: „Die EU-Beitrittsgespräche mit der Türkei finden seit einem Jahr nicht statt. Und sie werden auch nicht wieder aufgenommen – außer die Türkei macht wesentliche Zugeständnisse bei den Grund- und Menschenrechten und bei der Gewaltenteilung.“

Türkei und Nato

Auch sicherheitspolitisch habe die russisch-türkische Annäherung keine Nachteile für Europa. „Sollte die Türkei aus der Nato herausgehen und sich an Russland annähern, muss sie wissen, in welche Hände sie sich gibt. Erdogan wird dann abhängig von der Russland, das wird er nicht mögen“, sagte Brok.

KremlchefPutin empfängt an diesem Mittwoch den türkischen Präsidenten Erdogan im russischen Sotschi. Es ist bereits Erdogans zweiter Besuch in Russland in diesem Jahr.