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25.04.2017, 17:31 Uhr GRENZNAHE KRAFTWERKE

Atomkraft: Man kann nur hoffen, dass nichts passiert

Kommentar von Uwe Westdörp

Tausende Risse im Reaktordruckbehälter - zumindest auf deutscher Seite ist man sich sicher: Tihange 2 ist ein Sicherheitsrisiko. Das älteste belgische Atomkraftwerk Tihange ist nur 60 Kilometer von der Grenze  zu Deutschland entfernt.Tausende Risse im Reaktordruckbehälter - zumindest auf deutscher Seite ist man sich sicher: Tihange 2 ist ein Sicherheitsrisiko. Das älteste belgische Atomkraftwerk Tihange ist nur 60 Kilometer von der Grenze zu Deutschland entfernt.

Osnabrück. Für die enormen Kosten eines schweren Atomunfalls sind die Kernkraftwerke in Deutschlands Nachbarländern einer Studie zufolge nicht ausreichend versichert. Das kann nicht so bleiben. Ein Kommentar.

Man kann nur hoffen, dass nichts passiert. Denn wenn es zum Größten anzunehmenden Unfall (GAU) in einem grenznahen Atomkraftwerk kommt, dann sind nicht nur Leben und Gesundheit von Tausenden von Menschen in Gefahr – dann drohen auch wirtschaftliche und materielle Schäden in Milliardenhöhe. Und nach der aktuellen Rechtslage würden Betroffene wohl weitgehend auf ihren Schäden sitzen bleiben. Die entsprechenden Ergebnisse zweier Studien bedeuten einen Skandal.

Sie bestätigen einmal mehr, dass die Atomwirtschaft es perfekt versteht, den eigenen Vorteil zu mehren und Risiken und Lasten zu einem großen Teil auf andere abzuschieben. Bei der Entsorgung ist ihr das unlängst erneut gelungen: Der Staat nimmt den deutschen Energieerzeugern für gut 23 Milliarden Euro die Verantwortung für die Atommüll-Endlagerung ab, obwohl völlig ungewiss ist, wie teuer das auf Jahrtausende angelegte Unternehmen letztlich wird. Kurzum: Der Schutz der Nuklearwirtschaft hat Tradition.

Konsequenz aus all dem kann nur sein, Haftungsbegrenzungen zu überprüfen und auch jenseits der Grenzen für einen Atomausstieg zu werben, bevor es zum Ernstfall kommt. Die Chancen auf Erfolg stehen allerdings schlecht. Gleich in mehreren EU-Ländern sind neue Atomkraftwerke in Planung beziehungsweise im Bau.


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