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24.04.2017, 17:10 Uhr zuletzt aktualisiert vor KOMMENTAR

Loveparade-Katastrophe nun doch vor Gericht: Besser als nichts

Kommentar von Melanie Heike Schmidt

Blumen, Kreuze, Kerzen: die Gedenkstätte für die Loveparade-Opfer in Duisburg. Nun wir die Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten in einem Strafverfahren aufgearbeitet. Foto: dpaBlumen, Kreuze, Kerzen: die Gedenkstätte für die Loveparade-Opfer in Duisburg. Nun wir die Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten in einem Strafverfahren aufgearbeitet. Foto: dpa

Osnabrück. Die Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten und Hunderten Verletzten wird nun doch vor Gericht verhandelt. Das ist eine gute Nachricht. Zwar ist klar, dass eine Fehlerkette zum Unglück geführt hat. Unklar ist aber immer noch, wer die Verantwortung dafür trägt.

Natürlich wird mit dem Prozess das Leid der Opfer nicht enden, kein Richterspruch kann Trauer und Traumata heilen. Zudem ist fraglich, ob die Schuldfrage vollends geklärt wird. Denn nicht die Top-Akteure wie der Ex-Oberbürgermeister von Duisburg oder der Lopavent-Chef sitzen auf der Anklagebank, sondern deren Mitarbeiter. Wie groß aber ist die Schuld eines Angestellten, der ein Papier abzeichnet, wohlwissend, dass sein Chef es so will? Wer trägt Schuld, derjenige, der Druck ausübt, oder derjenige, der unter dem Druck Fehler macht? Selbst wenn in dem Prozess nur ein Teil dieser Fragen beantwortet wird, wäre das besser als nichts.

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Die Loveparade war eine Zäsur. Ob Sportereignis, Stadtfest oder Musikfestival: Nach dem 24. Juli 2010 mussten Sicherheitskonzepte neu geschrieben werden. Auch die Besucher sind seitdem aufmerksamer geworden, helfen einander, wenn es eng wird, stoppen Drängler. „Denk an Duisburg“, warnen sie dann. Die Katastrophe hat sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt. Wie genau es dazu kommen konnte, geht uns alle an.

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