Präsidentenwahl in Frankreich Kandidaten im Porträt: Wer ist François Fillon?

Der konservative französische Präsidentschaftskandidat der Republikaner: Francois Fillon. Foto: dpaDer konservative französische Präsidentschaftskandidat der Republikaner: Francois Fillon. Foto: dpa

Paris. Im Präsidentschaftswahlkampf entdeckten die Franzosen neue Seiten des konservativen Kandidaten und früheren Premierministers François Fillon – einen ungesunden Hang zum Geld, aber auch eine erstaunliche Widerstandskraft gegen Angriffe.

Er hatte seine Frau und die ganze Familie immer aus der Politik heraushalten wollen. Bescheiden und diskret stand Penelope Fillon all die Jahre, die ihr Mann Karriere machte, in seinem Schatten. Kümmerte sich um die fünf Kinder, ihre Pferde, das Anwesen in der ländlichen Region Sarthe. Ihre Schwester heiratete einen der Brüder ihres Mannes, dem sie diesen familiären Rückzugsort bot. Vielleicht arbeitete sie auch für ihn, so wie François Fillon es versichert, ebenso wie Tochter Marie und Sohn Charles, die er zeitweise als parlamentarische Assistenten anstellte und gut dafür bezahlte.

Verdacht der Scheinbeschäftigung

Doch die Justiz hat Zweifel, ein Strafverfahren läuft. Seit Medien Ende Januar den Verdacht der Scheinbeschäftigung gegen die Fillons enthüllten, steht der französische Präsidentschaftswahlkampf im Zeichen des „Penelopegate“ – und der Konservative, der bisher als seriöser Saubermann galt, in einem zweifelhaften Licht. Sein souverän-ruhiges Auftreten passt kaum mit den scharfen Angriffen gegen Justiz und Medien zusammen, als deren Opfer er sich darstellt. Rücktrittsforderungen auch aus dem eigenen Lager wies er immer zurück – seine Anhänger nennen ihn stolz und standfest, seine Gegner so stur und eigensinnig, dass er die einst so hohen Gewinnchancen seiner Partei bedrohe. Der einstige Favorit kann nur noch gewinnen, falls die Umfragen sich täuschen: Sie sehen ihn nur noch auf dem dritten oder gar vierten Platz. Auch weil weitere Vorwürfe aufkamen.

Teure Maßanzüge schenken lassen

Nach den Vorwahlen der Republikaner, bei denen er zum Präsidentschaftskandidaten gekürt wurde, ließ sich Fillon teure Maßanzüge schenken – und zwar von Robert Bourgi, einem einflussreichem Mittelsmann ehemaliger afrikanischer Kolonien. „Na und?“, erwiderte er auf bohrende Journalisten-Fragen. Und obwohl er als Abgeordneter und mit seinem Beratungsunternehmen hohe Summen verdient, gab er kürzlich zu, es gelinge ihm nicht zu sparen. Hat der 63-jährige Motorsport-Fan ein Problem mit Geld? Im Zuge der Enthüllungen über seinen verschwenderischen Lebenswandel entdecken viele Franzosen, dass sie den Konservativen kaum kennen. Dabei gehört Fillon seit Jahrzehnten zum politischen Inventar des Landes.

Der in Le Mans geborene Sohn eines Notars und einer Historikerin kam nach einem Studium der Rechts- und Politikwissenschaften über seinen Mentor, den gaullistischen Abgeordneten Joël Le Theule, in die Politik. Fillon wurde Stadtrat, Bürgermeister von Sablé-sur-Sarthe, Regionalratspräsident und zog 1981 als jüngster Abgeordneter ins Parlament ein. Später hatte er mehrere Ministerposten inne, unter anderem für Arbeit und Soziales. Im Wahlkampf 2012 schloss er sich Nicolas Sarkozy an, der ihn zum Premierminister machte. Anfangs zeigten sich beide Männer demonstrativ gemeinsam joggend vor den Kameras, doch das Vertrauen schwand rasch: Neben dem hyperaktiven Präsidenten, der ihn herablassend als bloßen „Mitarbeiter“ bezeichnete, kam Fillon kaum zur Geltung. Zwar war er als nüchtern-zuverlässiger Krisenmanager deutlich beliebter als Sarkozy. Doch er konnte sich nicht mit seinen Forderungen nach einem Spar- und Reformkurs durchsetzen.

Fillon beruft sich auf den Reformmut Deutschlands

Dasselbe galt nach der Wahlniederlage Sarkozys, als sich Fillon um den Parteivorsitz bewarb. Er unterlag Jean-François Copé, der sich trotz des Verdachts auf Wahlbetrug kurzerhand selbst zum Sieger erklärte. Also visierte Fillon direkt die Präsidentschaftswahl an und arbeitete sein Programm aus, in dem er sich auf Margaret Thatcher und den Reformmut Deutschlands beruft. Er fordert einen Abbau des Beamtenapparates, die Erhöhung des Rentenalters und der Arbeitszeit sowie einen „Wettbewerbsschock“ für Unternehmen mit Steuer- und Abgabenerleichterungen. Die EU stellt er nicht in Frage, wirbt aber um ein selbstbewusst auftretendes Frankreich. Zugleich steht der praktizierende Katholik für bürgerliche Werte, den Schutz der Familie. Sein neuer Slogan „Ein Wille für Frankreich“ ersetzt den alten „Mut zur Wahrheit“. Zu angekratzt scheint Fillons Image als ehrlicher Staatsmann.


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