Präsidentenwahl in Frankreich Kandidaten im Porträt: Wer ist Benoît Hamon?

Von Birgit Holzer

Der Präsidentschaftskandidat der Sozialistischen Partei: Benoît Hamon. Foto: dpaDer Präsidentschaftskandidat der Sozialistischen Partei: Benoît Hamon. Foto: dpa

Paris. Der Sozialist Benoît Hamon tritt mit einem experimentierfreudigen Programm an – doch überzeugen konnte er im Wahlkampf nicht. Nun liegt der Vertreter der aktuellen Regierungspartei nur noch bei acht Prozent.

Mit ihm hatte kaum einer gerechnet. Und manchmal wirkt Hamon, als sei er selbst überrascht von seiner Rolle als Präsidentschaftskandidat der Sozialisten. Ausgerechnet er soll die Volkspartei in all ihrer Vielfalt repräsentieren – als Parteilinker und Wortführer der „Aufständischen“ gegen den in seinen Augen zu wirtschaftsliberalen Kurs von Präsident François Hollande. Im Sommer 2014 musste Hamon als Bildungs- und Hochschulminister gemeinsam mit dem damaligen Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg das Kabinett verlassen, weil sie mit ihrer Kritik an der eigenen Regierung zu weit gegangen waren.

Der im bretonischen Brest geborene Sohn einer Sekretärin und eines Marine-Ingenieurs, der zeitweise im Senegal aufwuchs, studierte Geschichte und kam über den Anti-Rassismus-Verein „SOS Rassismus“ in die Politik. Dort gründete er den Jugendverband der Sozialisten, war zeitweise Europa-Abgeordneter, Parteisprecher und gut zwei Jahre Minister unter Hollande – bis zum Bruch.

Authentischer, sympathischer, frischer

Nachdem dieser sich nicht mehr um seine eigene Nachfolge bewarb, profitierte Hamon bei den Vorwahlen seiner Partei von der Unbeliebtheit des Ex-Premierministers Manuel Valls und setzte sich auch gegen seinen Gesinnungsgenossen Montebourg durch. Hamon trat authentischer, sympathischer, frischer auf. Auch mit Selbstironie konnte der Vater zweier Töchter punkten. Er wolle „das Herz Frankreichs zum Schlagen bringen“, sagt er in seinem Wahlkampf-Slogan. Doch dem jugendlich wirkenden 49-Jährigen gelang es nicht, den Schwung nach der Kandidatenkür mit in den Wahlkampf zu nehmen: Momentan sehen ihn die Umfragen nur noch bei acht Prozent.

Zu experimentierfreudig und unrealisierbar erscheinen vielen in Zeiten der Wirtschaftsschwäche seine kostspieligen Vorschläge: Sie reichen von der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens bis zur Reduzierung der Arbeitszeit und –dauer, da infolge der Digitalisierung die Arbeitsplätze knapper würden. Wie sich dies, abgesehen von der Einführung einer Robotersteuer, finanzieren ließe, konnte Hamon nicht ausreichend erklären, obwohl er renommierte Ökonomen wie den Bestseller-Autor Thomas Piketty und dessen Frau Julia Cagé hinter sich hat. Den Euro-Stabilitätspakt will der Sozialist aussetzen und fordert stattdessen ein ehrgeiziges Investitionspaket.

Hamon für Energiewende und Atomausstieg

Während ihn nur eine Handvoll Minister unterstützen, wendeten sich die Reformer in seiner Partei ab und teilweise dem sozialliberalen Ex-Wirtschaftsminister Emmanuel Macron zu; radikalere Linke wiederum schließen sich eher dem charismatischeren Jean-Luc Mélenchon an. Mit ihm teilt Hamon etwa die Forderung nach einer Energiewende und dem Ausstieg aus der Atomenergie sowie einen Umbau der Institutionen hin zu einem parlamentarischen statt einem Präsidialsystem. Eine Allianz aber gelang nicht. Lediglich die Unterstützung der Grünen erhielt Hamon; doch auch sie haben einen gewaltigen Bedeutungsverlust hinter sich.