Selbstmordattentat auf Busse Wer steckt hinter Anschlag mit mehr als 120 Toten bei Aleppo?

Bei dem Anschlag starben mehr als 120 Menschen. Foto: -/Thiqa News Agency/AP/dpaBei dem Anschlag starben mehr als 120 Menschen. Foto: -/Thiqa News Agency/AP/dpa

Raschidin. Nach dem Selbstmordanschlag mit mehr als 120 Toten bei Aleppo ist noch immer unklar, wer dahinter steckt. Der Anschlag auf mehrere Busse im Norden Syriens am Osterwochenende ist einer der schlimmsten Bluttaten des sechsjährigen Bürgerkriegs gewesen.

Ein Selbstmordattentäter riss am Samstag nach Angaben der Beobachtungsstelle für Menschenrechte an einem Kontrollpunkt bei Aleppo mehr als 120 Menschen mit in den Tod. Bis zum Montag übernahm niemand die Verantwortung für den Anschlag, bei dem nach jüngsten Angaben fast 70 Kinder getötet und mehrere hundert Menschen verletzt wurden.

„Ich wusste nicht, was geschah, ich hörte nur schreiende Menschen“, sagte Maisa al-Aswad, die mit ihren beiden Kindern in einem der attackierten Busse saß. „Ich habe nur gedacht, wie wir all die Todesgefahren der letzten Jahre überstehen konnten – und dann beinahe umgekommen wären, nachdem wir endlich flüchten konnten.“ Die 30-Jährige zählte zu den rund 5000 Menschen, die mit Bussen aus den regierungstreuen Städten Fua und Kafraja herausgeholt worden waren, um in Sicherheit gebracht zu werden.

Attentäter steuerte Hilfstransporter

Der Bus-Konvoi stand am Samstag in der von Aufständischen kontrollierten Ortschaft Raschidin, als der Attentäter einen Transporter in die Luft jagte. Die Verwüstungen durch den Anschlag wurden offenbar noch verstärkt, weil eine nahe gelegene Tankstelle ebenfalls in Brand geriet. Die Beobachtungsstelle sprach am Montag von 126 Toten, darunter 109 Flüchtlinge aus Fua und Kafraja.

Mehr als zwei Jahre lang wurden die in der Provinz Idlib liegenden Städte Fua und Kafraja von Rebellen belagert. Nach einer Vereinbarung zwischen Regierung und Rebellen konnten rund 5000 Zivilisten und Kämpfer am Freitag mit Bussen ihre umzingelten Heimatorte verlassen. Die 75 Busse wurden in Raschidin, westlich von Aleppo, aufgehalten. Der Selbstmordattentäter saß am Steuer eines Transporters mit Hilfsgütern.

Papst: „Schändlicher Angriff“

Die Zahlenangaben zu den Opfern des Anschlags stammen von der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die sich auf ein Netz von Informanten in Syrien stützt. Von unabhängiger Seite sind ihre Angaben nur schwer zu überprüfen.

Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP sah in Raschidin zahlreiche Todesopfer und eine große Zahl von Verletzten. Er berichtete, dass noch am Sonntag Leichenteile, Kleidungsfetzen und Gepäckstücke der Opfer am Anschlagsort lagen. Von dem Transporter, mit dem der Anschlag verübt wurde, blieb nur ein ausgebranntes Wrack zurück.

Der UN-Nothilfekoordinator Stephen O’Brien zeigte sich „entsetzt“. Den Attentätern seien Menschenleben völlig gleichgültig. Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte den Anschlag als „tief erschütternd“. Papst Franziskus sprach von einem „schändlichen Angriff“. Der Krieg in Syrien höre nicht auf, „Tod und Schrecken“ zu verbreiten. Er bat unter anderem für diejenigen um Gottes Hilfe, die sich für die leidende Zivilbevölkerung in Syrien einsetzten.

Überlebende konnten weiterreisen

Die Regierung in Damaskus machte „Terrorgruppen“ für den Anschlag verantwortlich. Die Regierung von Machthaber Baschar al-Assad bezeichnet grundsätzlich alle ihre bewaffneten Gegner im Land als „Terroristen“. Die islamistische Rebellengruppe Ahrar al-Scham wies eine Verantwortung der Aufständischen zurück. „Unsere Aufgabe war es, für die Sicherheit der Zivilisten zu sorgen, nicht sie zu töten“, erklärte die Rebellengruppe.

Die Evakuierung von insgesamt vier Orten war nach langwierigen Verhandlungen zwischen Regierung und Rebellen unter Vermittlung ihrer Verbündeten Iran und Katar vereinbart worden. Zeitgleich mit den Menschen aus Fua und Kafraja verließen rund 2200 Menschen die Orte Madaja und Sabadani in der Nähe von Damaskus, die jahrelang von Regierungstruppen belagert worden waren. Die Überlebenden des Anschlags konnten am Samstagabend weiterreisen. Sie trafen in der Nacht zum Sonntag in Aleppo ein, von wo aus sie teilweise in die Hafenstadt Latakia oder in die Hauptstadt Damaskus gebracht werden sollten.


0 Kommentare