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12.04.2017, 17:40 Uhr zuletzt aktualisiert vor UMWELTBEWUSSTE DEUTSCHE

Vom Auto umsteigen: Jetzt sind die Städte gefragt

Kommentar von Marion Trimborn

Autofahrer sind laut einer Umfrage des Bundesumweltministeriums zum Umsteigen auf Bus, Bahn und Rad bereit. Foto: dpaAutofahrer sind laut einer Umfrage des Bundesumweltministeriums zum Umsteigen auf Bus, Bahn und Rad bereit. Foto: dpa

Osnabrück. Sie wollen öfter zu Fuß gehen, das Fahrrad nehmen und in die Bahn steigen. Die Deutschen sind sehr umweltbewusst - das sagen sie jedenfalls über sich selbst. Der gute Wille ist da. Jetzt müssen die Städte handeln, damit es nicht bei guten Vorsätzen bleibt. Ein Kommentar.

Mit den guten Vorsätzen ist das so eine Sache. Vor allem in Umfragen. Da gibt man gerne mal die erwünschte Antwort. Etwa dass man lieber das Auto stehen lassen würde, um mit Fahrrad oder Bahn zu fahren. In der Realität sieht das dann natürlich ein bisschen anders aus. Denn wer wartet gerne auf den verspäteten Zug? Wer fährt bei Regen oder eisiger Kälte mit dem Rad? Die Umfrage des Bundesumweltministeriums, die die Deutschen per se zu einem umweltbewussten Volk erklärt, ist mit Vorsicht zu lesen.

Der Wunsch, aufs Auto zu verzichten, kann eigentlich nur von Großstädtern kommen, die die U-Bahn vor der Tür haben, die dann auch alle zehn Minuten fährt. Die Realität auf dem Land ist eine andere. In vielen Dörfern gibt es oft weder eine Apotheke noch einen Supermarkt. Wie soll man da den Einkauf im Nachbarort ohne Auto bewältigen? Auch in vielen mittelgroßen Städten fehlt eine gute Anbindung mit Bussen und Bahnen. Die Bahn ist teuer und glänzt durch Verspätungen und Zugausfälle – ist das wirklich eine Alternative? Da bleibt das Auto oft unschlagbar, weil es bequem ist und man überall damit hin kommt.

Damit Städter wirklich vom Auto auf andere Verkehrsmittel umsteigen, müssen die Kommunen umdenken. Etwa indem sie die Taktung von Bussen und Bahnen erhöhen, später auch mit selbstfahrenden U-Bahnen. Mit Radschnellwegen ohne Ampeln könnten Städte mehr Pendler aufs Fahrrad bringen, das hat die Stadt Kopenhagen bewiesen. Dann würden auch E-Bikes, die gerade einen Boom erleben, eine echte Alternative für Pendler mit kürzeren Strecken. Flanierzonen für Fußgänger bringen Berufstätige dazu, auch mal zu Fuß zu gehen. Kleinere Elektrofahrzeuge wie Segways, Fahrkapseln oder Stehmobile mit drei Rädern, die heute noch ein seltener Anblick sind, wären dann attraktiv. Ein netter Nebeneffekt: Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge wie in Stuttgart oder eine Maut wie in der Londoner Innenstadt würden dann überflüssig.


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