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02.04.2017, 17:36 Uhr ERDOGANS EINFLUSS AN DEUTSCHEN SCHULEN

Türkischer Einfluss auf Lehrer: Grundgesetz als Maßstab

Kommentar von Erhard Böhmer

Auch Deutschland schickt Lehrer ins Ausland. Zum Beispiel an die Lisesi Schule in Istanbul. Foto: dpaAuch Deutschland schickt Lehrer ins Ausland. Zum Beispiel an die Lisesi Schule in Istanbul. Foto: dpa

Osnabrück. Die türkische Regierung nimmt Einfluss auf den Türkischunterricht an staatlichen Schulen in Deutschland. 503 sogenannte Konsulatslehrkräfte - entsandt und finanziert vom türkischen Bildungsministerium - unterrichten viele Tausend türkischstämmige Schüler. Das dürfte niemanden verwundern.

Die Regierung Erdogan will nicht nur die türkische Verfassung grundlegend verändern, die Reformen reichen viel weiter. Auf Linie gebracht werden sollen Medien, Moschee-Gemeinden und Bildungseinrichtungen. Die herrschende AKP und ihr Führer Recep Tayyip Erdogan mischen sich in nahezu alle Lebensbereichen ein. Insofern überrascht die Meldung nur bedingt, dass auch die türkischen Lehrer an deutschen Schulen vermehrt unter dem Einfluss der Regierung stehen.

Wohlgemerkt, es handelt sich um staatliche Schulen in Deutschland. Und damit ist die Aufgabenstellung klar: Stimmen die Vorwürfe der Lehrergewerkschaft, dass sich diese Lehrpläne der Aufsicht der Schulbehörden weitgehend entzieht, muss der deutsche Staat schnellstens eingreifen und eine Linie ziehen. Die heißt ohne Wenn und Aber Grundgesetz. Der Unterricht darf weder zur Werbeveranstaltung für die AKP und Erdogan missbraucht werden, noch eine Ideologie-Schule sein, die den rechtsstaatlichen Grundsätzen hierzulande widerspricht.

Bevor ein einseitiger Eindruck entsteht: Auch Deutschland entsendet Lehrer in die ganze Welt, auch in die Türkei. Und die unterrichten selbstverständlich nach deutschem Maßstab, ungeachtet der Bedingungen in dem Gastland.


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